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Eine Frau schwitzt bei der Arbeit

Zu heiß, zu kalt: Warum du Temperaturen oft unterschiedlich empfindest

Während manche mit 30 Grad im Schatten kein Problem haben, wollen sich andere am liebsten im Keller verstecken. Häufig nehmen wir Hitze und Kälte unterschiedlich wahr. Das liegt unter anderem an unserem Gesundheits- und Fitness-Zustand, am Hormonhaushalt und an den äußeren Einflüssen.
Zu heiß, zu kalt: Warum du Temperaturen oft unterschiedlich empfindest
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Das Wichtigste zum Thema Temperaturempfindungen

  • Wohlfühltemperatur: Ob Menschen eine Temperatur als angenehm empfinden, ist sehr unterschiedlich. Die einen fühlen sich bei 28 Grad sehr wohl, anderen ist es zu heiß, wieder anderen zu kühl.

  • Es gibt allerdings einen idealen Temperaturbereich, in dem sich alle Menschen wohlfühlen, sagt der Biometeorologe Andreas Matzarakis. Und der liegt zwischen 18 und 25 °C. Mehr Infos von ihm liest du im Experten-Interview weiter unten.

  • Bis zu 70 Faktoren beeinflussen, wie wir Temperaturen empfinden. Zum Beispiel unser Gesundheits-Zustand, unsere Fitness, der Hormon-Haushalt und der Anteil an Körperfett.

  • Auf der menschlichen Haut befinden sich 30.000 Kälte-Rezeptoren und 3.000 Wärme-Rezeptoren. Die melden schon geringe Temperatur-Veränderungen ans Gehirn.

  • Der Körper antwortet auf die gefühlte Temperatur angemessen und verhindert so, dass er überhitzt oder auskühlt. Haben Menschen zum Beispiel aufgrund verschiedener Krankheiten ein gestörtes Temperaturempfinden, ist das anders. Manchmal sind aber auch Überlastung oder Stress ein Grund dafür.

Warum nehmen Menschen Temperaturen so unterschiedlich wahr?

  • 👨‍🔬

    Der Biometeorologen Andreas Matzarakis weiß alles über das menschliche Temperatur-Empfinden. Er leitet das Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg.

  • 💬

    Das Thema Wärme-Empfinden ist sehr komplex, insgesamt gibt es rund 70 Faktoren, die beeinflussen, wie Menschen Temperaturen wahrnehmen. Es kommt darauf an, ob sie zum Beispiel in der Sonne stehen, ob sie sich bewegen oder liegen, wie die Luftfeuchtigkeit ist, und auch, ob es den Menschen gut geht.

  • 💬

    Die Gemütslage und der Gesundheitszustand, ob wir Stress haben oder entspannt sind und wie wir uns ernähren - all das beeinflusst unser Temperatur-Empfinden. Jemand, der gesund ist, dessen Körper sich also gut an Hitze oder Kälte anpassen kann, kommt besser mit hohen oder niedrigen Temperaturen zurecht als jemand, der krank ist oder Medikamente nimmt.

  • 💬

    Auch wie gut wir geschlafen haben, ob wir erholt sind und wie fit wir sind, spielt eine Rolle. Jemand, der mehr auf den Rippen hat, produziert ohnehin mehr Wärme und leidet dann auch mehr unter der Hitze.

  • 💬

    Es gibt einen idealen Temperaturbereich, in dem sich alle Menschen wohlfühlen. Der liegt zwischen 18 und 25 °C.

  • 💬

    Menschen können es trainieren, dass ihr Körper besser mit hohen und niedrigen Temperaturen zurechtkommt. Zum Beispiel, indem sie abwechselnd warm und kalt duschen oder sich viel bewegen. Auch Kneipp-Anwendungen sind hilfreich.

Warum wir schwitzen und was dabei im Körper passiert

  • ☀️

    Wenn es zu heiß ist, alarmiert das die Wärme-Rezeptoren auf unserer Haut.

  • ❗️

    Ab 42 °C gerinnt das Eiweiß im Blut. Das ist gefährlich, und deshalb reagiert unser Körper sehr schnell auf heiße Temperaturen.

  • 👍

    Wenn es heiß ist, öffnen sich die Blutgefäße, unsere Haut wird stärker durchblutet.

  • 🥵

    So transportiert das Blut die Wärme vom Inneren unseres Körpers nach außen und wir schwitzen.

  • 😎

    Der Schweiß verdunstet auf unserer Haut und das kühlt unseren Körper.

  • ☝️

    Schweiß also am besten nicht gleich vom Körper wischen, sonst klappt das mit der Kühlung nicht. Aber es gibt Tricks, die gegen Schweiß helfen.

  • 👩‍⚕️

    Hitze belastet das Herz-Kreislauf-System und setzt den Körper unter Stress: Denn der muss sich nun mehr anstrengen, um die Körperkerntemperatur auf 37 °C zu halten. Dann funktionieren unsere Organe am besten. Gesunde Menschen, die ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und sich angemessen verhalten, stellen wärmere Temperaturen im Normalfall aber nicht vor größere Probleme.

Was passiert in unserem Körper, wenn wir frieren

  • 🤒

    Wir vertragen Kälte bis zu einer Körper-Kerntemperatur von 20 °C, da ist noch ein Überleben möglich. Die durchschnittliche Körper-Kerntemperatur des Menschen liegt allerdings zwischen 36 und 37 °C.

  • 😲

    Wer unterkühlt ist, spricht oft undeutlich, ab 34 °C Körper-Kerntemperatur verlieren wir die Sprache.

  • ⛄️

    Wenn es kühl ist, stellen sich die Härchen auf unserer Haut auf, wir bekommen Gänsehaut.

  • 🥶

    Wird es noch kühler, ziehen sich unsere Muskeln zusammen: Wir zittern, um Wärme zu erzeugen.

  • 🧠

    Die Kälte-Rezeptoren alarmieren das Gehirn, die Blut-Gefäße ziehen sich zusammen und verengen sich so.

  • ☝️

    Das Blut wird stärker ins Körper-Innere geleitet. Dort hält es unsere lebenswichtigen Organe wie das Herz, Leber, Niere und Gehirn funktionsfähig.

  • 🤲

    Deshalb kühlen Füße und Hände schneller aus als unsere Körpermitte: Das ist überlebenswichtig! Was gegen kalte Hände und Füße hilft, liest du nach dem Klick auf den Link.

Darum frieren Frauen schneller als Männer

Es ist nicht nur eine gefühlte Wahrheit: Die meisten Frauen frieren schneller als die meisten Männer. Wissenschaftler:innen erklären das zum Beispiel damit, dass Frauen einen angeregteren Stoffwechsel haben und mehr Wärme brauchen. Außerdem sind sie oft schlanker als Männer und haben im Verhältnis eine größere Hautoberfläche, über die sie Wärme abgeben.

Bei Frauen sitzen die Kälte-Sensoren näher unter der Hautoberfläche als bei Männern und ihre Haut ist grundsätzlich dünner - und verliert damit schneller Wärme. Männer haben wiederum durchschnittlich einen höheren Muskelanteil, und Muskeln produzieren Wärme, die sich dann im ganzen Körper verteilt.

Tipps: Das hilft gegen Kälte-Empfindlichkeit:

  • 🚴‍♀️

    Wer sich viel an der frischen Luft bewegt, wird weniger kälteempfindlich.

  • 💧

    Kneipp-Anwendungen können helfen. Davon gibt es ganz unterschiedliche, sie haben aber alle mit Wasser zu tun. Erfunden hat sie Sebastian Kneipp im 19. Jahrhundert.

  • 👣

    Auch kurzes Barfuss-Laufen im Winter soll helfen, und zwar schon bei Kindern.

  • ❄️

    Und natürlich hilft der Klassiker: regelmäßige Sauna-Besuche. Aber nur, wenn du danach ins Eisbecken springst oder eiskalt duschst.

  • 🏊

    Wer wirklich hart gesotten ist, kann Eisbaden ausprobieren. Manche schwören darauf! Ob es gesund ist oder gefährlich, lest ihr hier.

Gestörtes Temperaturempfinden: Warum einige darunter leiden

Unser Körper weiß normalerweise sehr gut, wie er auf heiße oder kalte Temperaturen reagieren muss. So sichert er unser Überleben. Bei einigen klappt das Temperaturempfinden aber nicht gut, sie leiden unter einem gestörten Temperaturempfinden.

Es gibt verschiedene Krankheiten, die dazu führen können, dass das Temperaturempfinden der Betroffenen gestört ist. Das sind zum Beispiel Diabetes, eine Borreliose, Demenz, ein Schlaganfall, Multiple Sklerose oder auch Migräne.

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Temperaturempfinden gestört ist, muss das nichts Schlimmes bedeuten. Auch Überlastung, Erschöpfung oder Stress können der Grund dafür sein.

Betrifft das gestörte Temperaturempfinden nur einzelne Stellen am Körper, sollte man eine Ärztin oder einen Arzt um Rat fragen, weil eine Krankheit dahinter stecken könnte.

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Veröffentlicht: 01.10.2022 / Autorin: Kathrin Aldenhoff