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Auf der Seucheninsel Riems wird der Tod gelagert - im Kühlschrank

Malaria, BSE, Ebola: "Seucheninsel" trifft auf die Ostseeinsel Riems zu. Wie man mit bedrohlichen Erregern arbeitet – und was passiert, wenn uns eine Pandemie droht.

Das Wichtigste zum Thema Seucheninsel Riems

  • Mit der Seucheninsel ist das rund 20 Hektar große Eiland Riems in der Ostsee gemeint.

  • Auf Riems befindet sich das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Seit über 100 Jahren werden dort hochgefährliche Krankheitserreger erforscht.

  • Friedrich Loeffler, einst Professor an der Uni Greifswald, entdeckte den Erreger der Maul- und Klauenseuche. Seit 1952 trägt das Institut seinen Namen.

  • Das FLI ist eines der modernsten Forschungsinstitute der Welt. Rund 300 Millionen Euro investierte der Staat.

So bleibt die Arbeit mit tödlichen Erregern sicher

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    Die speziellen Laboratorien des FLI gehören zur höchsten Sicherheitsstufe S4.

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    Sie sind getrennt von anliegenden Räumen mit der Sicherheitsstufe S3. Durch sie müssen die Mitarbeiter zuerst. Dieses System nennt sich "box in box".

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    Nur mit einem Vollschutzanzug kommen die Mitarbeiter rein. Beim Verlassen müssen sie in spezielle Dekontaminationsduschen.

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    Bei der Arbeit ist jeder mit einem "Buddy" in Funkkontakt. Die "Buddys" sind speziell geschult und helfen im Notfall.

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    Jedes Labor hat seine eigene Strom- und Atemluftversorgung. An den Decken hängen Schläuche, von denen Luft in die Schutzanzüge strömt.

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    Die Zu- und Abluft wird doppelt gefiltert. Alle Abwässer werden in Sammeltanks sterilisiert. Dann gelangen sie zur Kläranlage des FLI.

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    Die Arbeit ist hart - für Körper und Kopf. Ein Gang zum Klo ist während der Laborarbeit tabu. Auch deshalb soll eine Schicht nicht länger als fünf Stunden dauern.

Auch nicht ohne: Das sind die gefährlichsten Inseln der Welt

Was passiert, wenn bei uns eine Seuche ausbricht?

Deutschland ist jederzeit vorbereitet. Selbst wenn keine Infektionen um sich greifen, sind kritische Virus-Subtypen unter Dauerbeobachtung. So sieht es der Nationale Pandemieplan (NPP) vor, der nach der letzten Grippe-Pandemie 2009 (H1N1) aktualisiert wurde. Droht eine neue Pandemie, passiert folgendes:

 

  • Kommt es zu vereinzelten Krankheitsübertragungen, werden gefährdete Gruppen (sehr junge oder alte Menschen) intensiver beobachtet. So bewertet man das Risiko der Infektionssituation. Falls nötig, werden Presse und Medien informiert.

 

  • Weiten sich die Infektionen bundesweit und länderübergreifend aus, spricht man von einer Pandemie. Unverzüglich erfährt die Öffentlichkeit davon, Hygienevorschriften wie sorgfältiges Händewaschen werden herausgegeben. Handelt es sich um ein neues Virus, geht es sofort an die Entwicklung eines Impfstoffs. Ist die Pandemie besonders gravierend, werden Erkrankte isoliert.

 

  • Eine wichtige Erkenntnis aus der 2009er-Pandemie: Gefährliche Infektionssituationen sind kaum berechenbar, Maßnahmen müssen flexibel und schnell getroffen werden. Sind die neuen Impfstoffe entwickelt und ist die Bevölkerung damit versorgt, kann sich die Situation nach und nach normalisieren.
Veröffentlicht: 21.07.2019 / Autor: Alexander Duebbert

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