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"Jemandem das Wasser reichen": Woher kommt diese Redewendung?

Wenn man jemandem das Wasser reichen kann, steht man dieser Person in nichts nach. Doch wer hat da wem ursprünglich das Wasser gereicht? Und wie kam es dazu? Was hinter der Redewendung steckt.

Schlaumeier-Wissen

  • 👯‍♂️

    Wer jemandem das Wasser reichen kann, der kann mit den Fähigkeiten oder Leistungen des anderen mithalten - ist ihm also ebenbürtig. Andernfalls wäre man nicht mit ihm auf Augenhöhe.

  • 🖐️

    Die Redensart geht auf eine mittelalterliche Tisch-Sitte zurück. Da es noch kein Besteck gab, aßen die Leute mit den Händen. Und so benötigte man Wasser zum Händewaschen.

  • 🚰

    Fand an einem Fürstenhof ein Essen statt, reichten die Diener nach dem Mahl Schälchen mit Wasser. Darin säuberten die Herrschaften dann ihre Finger.

  • 🔝

    Allerdings durfte nicht jeder diese Tätigkeit ausüben. Sie war den Angestellten vorbehalten, die in der Rangordnung ganz oben standen.

  • 👎🏼

    Wer als weniger begabt oder tüchtig galt, war außen vor. Diejenigen konnten ihren Kollegen nicht das Wasser reichen und somit auch nicht den Adligen.

Wasser marsch! 5 weitere feuchte Redewendungen

  • Kocht auch nur mit Wasser = auch nur die üblichen Mittel und Methoden einsetzen, nicht besser sein als andere. Damit wurde früher auf die Verhältnisse von ärmeren Menschen angespielt. Diese konnten es sich nicht leisten, ihr Essen mit Wein oder Fleischbrühe zu kochen, und mussten daher Wasser verwenden.
  • Jemandem steht das Wasser bis zum Hals = jemand steckt in Schwierigkeiten. Der Ausspruch ist seit dem 17. Jahrhundert belegt und wird meist dann verwendet, wenn es um eine finanzielle Bedrängnis geht. Steigt das Wasser weiter, droht die Person - sinnbildlich - zu ertrinken.
  • Mit allen Wasser gewaschen sein = alle Tricks kennen. Geht auf Seemänner zurück, die mit ihren Schiffen über die 7 Weltmeere fuhren und dementsprechend viel Lebenserfahrung hatten.
Fischer


Mit allen Wassern gewaschen: Ein Seemann, der sich nicht nur mit Fischen auskennt
© Getty Images

 

  • Wasser ins Meer tragen/gießen = etwas Sinnloses tun. Die lateinische Redensart "aquas in mare fundere" findet sich bereits bei Ovid. Der antike römische Dichter lebte von 43 v. Chr. bis wohl 17 n. Chr.
  • Jemandem das Wasser abgraben = jemandem eine wichtige Lebensgrundlage entziehen, jemandem schaden, jemandem eine Sache vereiteln. Bezog sich auf den Betrieb einer Wassermühle. Wer den Wasserzulauf verändert (zum Beispiel durch das Graben eines neuen Bachbetts), kann eine Mühle stilllegen.
Veröffentlicht: 06.07.2020 / Autor: Heike Predikant

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