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Staatenlose im Interview

Staatenlosigkeit - wie fühlt sich ein Leben ohne Nationalität und Ausweis an?

Kein Personalausweis, keine Staatsangehörigkeit, auf dem Papier nahezu nicht existent - rund 15 Millionen Menschen weltweit sind staatenlos. Wie fühlt sich das an? In unserem Clip treffen wir eine Staatenlose zum Interview.
Staatenlosigkeit - wie fühlt sich ein Leben ohne Nationalität und Ausweis an?
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Staatenlosigkeit: Das Wichtigste zum Thema

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    "Den Ausweis, bitte" - für rund 30.000 Menschen in Deutschland keine Selbstverständlichkeit. So viele leben hier ohne Staaten-Zugehörigkeit. Sie sind also "staatenlos" und haben somit auch keine Nationalität.

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    Laut Artikel 15 der Menschenrechte hat theoretisch jede:r ein Recht auf Staatsangehörigkeit. Die darf niemandem einfach entzogen werden.

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    Durch bestimmte Umstände kann es aber passieren, dass Menschen staatenlos werden. Das Problem: Ohne Staatsangehörigkeit genießen sie auch keinen gesetzlichen Schutz. Und Dinge, die für uns alltäglich sind, sind als Staatenlose:r teils unmöglich.

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    Lies weiter, um mehr über die Gründe für Staatenlosigkeit zu erfahren - und den herausfordernden Alltag von Betroffenen kennenzulernen.

Wie wird man staatenlos?

Die Gründe für Staatenlosigkeit sind vielfältig. Oft gehen sie auf eine instabile politische Situation zurück - zum Beispiel, wenn sich Staaten auflösen, von anderen Staaten oder Gruppierungen besetzt werden oder auch in Kriegssituationen.

Nach den beiden Weltkriegen oder dem Zerfall der Sowjetunion etwa, die Gebietsverschiebungen und eine Neuordnung einzelner Länder zur Folge hatten, waren Hunderttausende Menschen zeitweilig staatenlos.

Ein prominentes aktuelles Beispiel für Staatenlosigkeit ist Palästina: Von den 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen erkennen nur 138 (entspricht 72 Prozent) Palästina als offiziellen unabhängigen Staat an. Schweden etwa akzeptiert Palästinenser:innen als solche, in Deutschland aber sind sie staatenlos. Die Kinder von Staatenlosen gelten selbst übrigens auch als staatenlos.

Kann man auch freiwillig staatenlos werden?

Theoretisch ja, du kannst deine Staatsbürgerschaft aberkennen. Aber das zieht zahlreiche Nachteile mit sich. Mehr dazu unten.

Ausweise gab es schon im Mittelalter - weshalb eine Zugehörigkeit so wichtig

In Deutschland wurde vor 80 Jahren die Ausweis-Pflicht eingeführt. Aber der Identitätsnachweis ist natürlich noch viel älter. Schon im Mittelalter gab es gewissermaßen Personalausweise. Damals halfen Wappen, Orden oder auch Zunft-Zeichen bei der Bestimmung der Identität der Menschen.

Nationalitäten entwickelten sich aus historischen Kulturen und Völkern. Heute vermitteln sie nicht nur ein Zugehörigkeitsgefühl, sondern haben auch wichtige rechtliche Schutzfunktionen: Staatsangehörige gehören zu einem bestimmten Staat, mit dem sie durch gegenseitige Rechte und Pflichten verbunden sind. Das bedeutet einerseits, dass sie den Staat etwa durch Steuern und die Stärkung der Wirtschaft unterstützen - andererseits aber auch, dass sie durch den Staat geschützt sind. Etwa durch Leistungen im Gesundheitssystem, im Sozialwesen oder die Rente. Staatenlosen fehlt es also sowohl an einem sozialen Zugehörigkeitsgefühl, als auch an rechtlichem Schutz. Oftmals erhalten sie nicht mal eine Arbeitserlaubnis und haben nur begrenzten Zugang zu medizinischer Versorgung.

Weißt du noch? Diese 3 Säulen bilden einen Staat

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    Ein Staat muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um auch als solcher anerkannt zu werden. Nämlich:

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    Er muss über ein Staatsgebiet, also ein Land, verfügen.

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    Er bracht ein Staatsvolk, also eine Bevölkerung.

  • 3️

    Er braucht eine Staatsgewalt, also eine stabile Regierung.

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    Schon gewusst? Es gibt auch sogenannte "Mikro-Nationen" oder Fantasie-Staaten. Das sind Gebilde, die sich zwar selbst als Staat bezeichnen, international aber nicht als solcher anerkannt werden, weil sie die 3 Säulen nicht erfüllen. Zum Beispiel die Freistadt Christiania, eine alternative Wohngemeinschaft in Kopenhagen.

Schwimmende Staaten auf dem rechtsfreien Meer?

Schwimmende Staaten auf dem rechtsfreien Meer?

Wasser, wohin das Auge reicht. Das Meer ist riesig, aber wer hat die Hoheitsansprüche darüber? Können Visionäre, die von einer staatenlosen Freiheit träumen, bald schwimmende Staaten entwickeln?

Alltägliche Dinge, die für Staatenlose teils unmöglich sind

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    Ob ein einfacher Handy- oder ein Miet-Vertrag oder die Fahrkartenkontrolle - bürokratische Hürden warten ohne Ausweis überall.

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    Wählen: Staatenlose sind nicht wahlberechtigt.

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    Reisen ohne Pass bedeutet: Für jede Ländergrenze erneut nerven- und zeitaufwändig ein Visum beantragen.

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    Staatenlose können nicht ohne weiteres heiraten, denn auch hierfür braucht man eine Staatsangehörigkeit.

Veröffentlicht: 30.11.2021 / Autorin: Carina Neumann-Mahlkau