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Warum vergeht die Zeit so unterschiedlich schnell?

Das dauert eeeeewig! Warten wir auf etwas, zieht sich Zeit wie Kaugummi. Bei Stress dagegen fliegt sie nur so dahin. Was dahinter steckt, erklärt dir eine Forscherin. Plus: Tipps gegen Langeweile.

Ist das wirklich schon 10 Jahre her? Wie Altern das Zeitgefühl im Rückblick verkürzt

Schon wieder Geburtstag. Das Jahr verging wie im Flug! Das war doch als Kind anders. Da schien ein Jahr wie eine Ewigkeit. Diesen Effekt kennen viele Menschen gut - wie eine Umfrage von Psychologen zeigt.

Sie wollten von über 500 Menschen zwischen 20 und 80 Jahren wissen, wie schnell ihrem Empfinden nach die letzten 10 Jahre vergangen sind. Ergebnis: Je jünger die Probanden waren, desto länger erschien ihnen die Zeitspanne.

Der Grund: Jüngere entdecken die Welt und immer wieder Neues. Ältere erleben vieles hingegen schon zum wiederholten Mal.

Bei neuen Dingen verfliegt die Zeit, während man sie erlebt. Aber in der Rückschau gibt es viele verschiedene Erinnerungen - und die Zeitspanne wirkt größer.

Was deine Zeitwahrnehmung beeinflusst, erklärt Psychologin Dr. Isabell Winkler

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    Unsere Aufmerksamkeit beeinflusst am stärksten die Zeitwahrnehmung im Hier und Jetzt. Sind wir abgelenkt und in etwas vertieft, fliegt die Zeit. Warten wir auf etwas und fokussieren die Zeit, vergeht sie schleichend.

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    Beim Zeitgefühl spielt auch eine Rolle, wie stark wir körperlich und emotional erregt sind. Fürchten wir uns, steht die Zeit still. Ebenso bei Anstrengung - etwa, wenn wir mit vollen Einkaufstüten die Treppen hochsteigen.

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    Wenn mir jemand sagt, er sei in 5 Minuten da - und ist es nach 15 Minuten immer noch nicht -, kommt mir diese Zeitspanne sehr lang vor. Entscheidend ist dabei die Erwartung. Ich hatte schließlich mit kürzerer Zeit gerechnet.

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    Jetzt in der Corona-Krise fühlt sich ein Tag für viele zu Hause sehr lang an. Eine Ursache dafür ist die Ungewissheit, wie lange die Einschränkungen noch dauern.

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    Präzise Ansagen hingegen verkürzen gefühlt die Wartezeiten. Deshalb beruhigen auch Stauzeitansagen. Entscheidend dabei ist ein Gefühl von Kontrolle. Man kann sich vorbereiten.

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    Mein Tipp gegen Langeweile: Sich spannende Aufgaben suchen mit festem Zeit-Limit. Das schafft Struktur. Die darf dann von Tag zu Tag variieren. So sammeln wir viele Erinnerungen. Blicken wir im Herbst auf die Zeit zurück, erscheint sie uns besser - und ist kein Einheitsbrei.

Dr. Isabell Winkler forscht zur Zeitwahrnehmung an der TU Chemnitz

Wer hat an der Uhr gedreht? So unterschiedlich vergeht die Zeit

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    Uhren ticken auf dem Berg schneller als im Tal. Schon Albert Einstein beschrieb das Phänomen in seiner Relativitätstheorie. Zeit vergeht unterschiedlich. Sie verhält sich relativ zum Beobachter.

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    Die Lebenszeit steigt kontinuierlich. Mädchen haben heute eine Lebenserwartung von 83,5 Jahren, Jungs von 78,5 Jahren.

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    Zu Dino-Zeiten dauerte ein Tag deutlich weniger als 24 Stunden. Die Erde drehte sich damals schneller.

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    Du kannst die Zeit nicht zurückdrehen, aber zumindest gefühlt verlangsamen. Ein Mittel dafür: Entspannung!

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    "Das habe ich doch schon mal erlebt ..." Warum es Déjà-vus gibt, darüber streiten Wissenschaftler noch.

Veröffentlicht: 10.04.2020 / Autor: Alena Brandt

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