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Glück macht Schule - und wird als Fach angeboten

Hier wartet das Glück (aus aller Welt) auf dich. Was uns wirklich glücklich macht - und wie und wo du Glück erlernen kannst.

Das Wichtigste zum Thema Glück

  • Glück ist laut Duden eine angenehme und freudige Gemütsverfassung, ein Zustand innerer Befriedigung und Hochstimmung. Und es ist das, wonach wir streben.

  • Auch wenn Glück für jeden etwas anderes bedeutet, gibt es Dinge, die so gut wie alle Menschen glücklich machen: Freunde, Sport, Liebe und Sex, aber auch Essen zum Beispiel. Geld hingegen lässt die persönliche Lebensqualität nur bis zu einem Jahresnettoeinkommen von knapp 60.000 Euro steigen, wie US-Forscher herausgefunden haben.

  • Man empfindet Glück im ganzen Körper. Das Gefühl entsteht aber vor allem im Gehirn. Gibt es einen entsprechenden Auslöser, schüttet das Belohnungszentrum "Glückshormone" wie Serotonin, Dopamin oder Oxytocin aus.

  • Glück kann man auch studieren - sogar online. Und immer mehr Schulen in Deutschland und Österreich haben mittlerweile das Fach Glück eingeführt.

Das Glück macht Schule

Glück als Schulfach gibt es in Deutschland seit 2007. Eingeführt hat es der Pädagoge Ernst Fritz-Schubert erstmals an der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg. Inzwischen wird das Fach an über 40 deutschen und weit über 100 Schulen in Österreich, der Schweiz und Italien angeboten.

In dem Fach wird nicht reiner Lernstoff vermittelt, vielmehr sollen die Schüler mit Fragen wie "Wer bin ich?", "Was brauche ich?", "Was kann ich?" oder "Was will ich?" mehr über das Glück herausfinden. Auf dem Weg dorthin werden vor allem gemeinsame Übungen gemacht, jeder Schüler führt zudem ein Glückstagebuch.

Befragungen zeigen, dass die Schüler sich tatsächlich glücklicher fühlen. Pädagogen sagen auch, dass das Schulfach Glück das Selbstbewusstsein der Schüler stärkt, das Klassenklima und den Zusammenhalt verbessert.

Lehrer Ernst Fritz-Schubert


Ernst Fritz-Schubert
© dpa - Report

In der Region Delhi werden Schüler seit 2018 sogar täglich eine Stunde im Fach Glück unterrichtet. Hier stehen auch Achtsamkeit, Stressbewältigung und der Umgang mit negativen Emotionen auf dem Programm.

Den neuen Lehrplan - das "Happiness Curriculum" - stellte der buddhistische "Glücksbringer" Dalai Lama zusammen mit Bildungspolitikern vor.

Das spirituelle Oberhaupt der Tibeter zum "Happiness Curriculum"

Glück kannst du auch studieren – online

Du bist kein Schüler mehr, willst aber trotzdem "Glücklichsein" lernen? Dann studier' es doch einfach - online. Möglich ist das auf der Plattform Coursera. Dort kann man sich kostenlos per Klick durch "Die Wissenschaft des Wohlbefindens" arbeiten.

Dieser Online-Kurs ist eine Abwandlung der bestbesuchten Vorlesung in Yale seit Gründung der amerikanischen Elite-Universität vor über 300 Jahren: Die Psychologie-Professorin Lauris Santos bot 2018 den Kurs "Psychology and the Good Life" an, 1.182 Studenten nahmen teil. Inhalte: Die wissenschaftlichen Aspekte der positiven Psychologie und Verhaltensänderung.

Seit September 2019 hält Lauris Santos eine neue 10-teilige Podcast-Serie bereit: The Happiness Lab. Hilfreiche akustische Glücksbringer von "You Can Change" bis "Making the Grade". Was die Expertin zu sagen hat, kannst du dir hier schon mal angucken ...

 

Deutschland ist mega happy!

Der Deutsche Post Glücksatlas 2019 belegt: Nie war die "Lebenszufriedenheit" der Deutschen höher – mit 7,14 von 10 Punkten. Im Vorjahr lag sie noch bei 7,05 Punkten. Gemessen wird in 6 Kategorien: Wohnen, Familie, Freizeit, Arbeit, Gesundheit, Einkommen.

"Zum Spitzenwert in der Zufriedenheit tragen die anhaltend gute Beschäftigungslage und die positive Entwicklung der Haushaltseinkommen bei sowie eine solide Robustheit der Bevölkerung gegenüber medialen Schlechtwettermeldungen", erklärt Studienleiter Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg.

Ganz oben auf der regionalen Glücksliste stehen die Schleswig-Holsteiner, die Brandenburger rangieren am unteren Ende.

© Galileo

World Happiness Report: Wo die glücklichsten Menschen der Welt leben

Onnittelut! Die Finnen sind die glücklichsten Menschen der Welt. Das besagt der World Happiness Report 2019 der Vereinten Nationen. Dafür stellt das US-Meinungsforschungsinstitut Gallup Menschen weltweit jedes Jahr die Frage: Wie glücklich sind Sie?

Zudem fließen Faktoren wie Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, Lebenserwartung, persönliche Freiheit und Korruption (in Regierung und Wirtschaft) in die Bewertung mit ein.

Insgesamt wurden 156 Staaten miteinander verglichen und zum zweiten Mal in Folge platzierte sich Finnland auf Platz 1. Gefolgt von Dänemark, Norwegen, Island, den Niederlanden, der Schweiz, Schweden, Neuseeland, Kanada und Österreich. Deutschland belegt Rang 17, am unglücklichsten sind die Einwohner des Sudan.

 

© Getty Images

Aber was macht die Finnen sooooo happy? Die Sozialpädagogin Jennifer De Paola von der Universität Helsinki hat sich angeguckt, was in Finnland unter dem Hashtag #onnellinen ("glücklich") in sozialen Medien gepostet wird.

Ihr Ergebnis: Vor allem Bilder mit Freunden und Familie, Schnappschüsse von Haustieren, Eindrücke aus der Freizeit und der Natur. Und vermutlich sorgen auch die Saunen des nordischen Landes für Wohlbefinden - auf rund 5,5 Millionen Einwohner kommen über 3 Millionen Schwitzbäder.

Was haben unsere Gene mit dem Glück zu tun?

Familie, Gesundheit, Geld, Erfolg - das kann ein glückliches Dasein ausmachen. Doch selbst unter den gleichen Voraussetzungen sind manche Menschen zufriedener als andere.

Warum ist das so? Forscher der University of California gehen von folgender Glücksformel aus: 50 Prozent unserer Lebenszufriedenheit sind erblich bedingt, die übrigen 50 Prozent werden von unseren Lebensumständen (10 Prozent) sowie unseren Handlungen und Einstellungen (40 Prozent) bestimmt. 

Das Glück und seine angenehmen Nebenwirkungen

Studien sagen: Glückliche Menschen sind im Vergleich zu griesgrämigen Zeitgenossen ...

  • ... gesünder. Sie erkranken seltener und weniger schwer. Außerdem ernähren sie sich ausgewogener und treiben mehr Sport.
  • erfolgreicher. Eine positive Grundhaltung steigert Motivation, Belastbarkeit, Effizienz und Produktivität. 
  • beliebter. Von anderen werden sie als sozial kompetenter und sogar attraktiver wahrgenommen.
  • kreativer. Ohne trübe Gedanken hat das Gehirn mehr "Raum" für neue Ideen. Und es greift nicht auf alte, bekannte Muster zurück.
  • widerstandsfähiger. Wer mit sich und dem Leben gut zurecht kommt, verfügt über bessere Strategien, um Krisen zu meistern.

Gibt es eigentlich ein Recht auf Glück?

  • 🇩🇪

    Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ist das Recht auf Glück nicht verankert. Lediglich in der Nationalhymne werden Garanten für das Glück genannt: "Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand".

  • 🇺🇸

    Die Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika haben das "Streben nach Glück" (Pursuit of Happiness) 1776 als unveräußerliches Recht des Menschen in der Unabhängigkeitserklärung festgehalten. Jeder Bürger soll die Möglichkeiten haben, seinen "American Dream" zu verwirklichen.

  • 🇧🇹

    Seit 2008 steht in der Verfassung von Bhutan, dass das Wohlbefinden der Bevölkerung Vorrang hat – und nicht etwa wirtschafliches Wachstum. Die Regierung muss sich beispielsweise um die Wahrung traditioneller Werte ebenso wie um den Schutz der Natur kümmern. Der Gradmesser dafür ist das Bruttonationalglück.

Veröffentlicht: 09.01.2020 / Autor: Heike Predikant

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