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Manche mögen's heiß: Auswirkungen von Waldbränden auf die Natur

Der Schwarzmilan ist ein tierischer Brandstifter und legt Feuer. Andere Tier- und Pflanzenarten sind bedroht von den Waldbränden weltweit. Wie unterschiedlich sich die Flammen auf Ökosysteme auswirken, erfährst du hier.
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Das Wichtigste zum Thema Waldbrände

  • Waldbrände gehören zum natürlichen Kreislauf der Natur. Sie schaffen lichte Standorte und Lebensraum für neue Pflanzen und Tiere.

  • Laut WWF sind 46 Prozent der Ökosysteme weltweit von Feuer abhängig. Rund 36 Prozent sind feuerempfindlich - das heißt, nicht an Brände angepasst.

  • Für feuerfeste Pflanzen wie Mammutbäume sind Brände wichtig für die Fortpflanzung. Einige Käfer und Vögel sind auf ausgebrannte Gebiete als Brutplätze angewiesen.

  • Die Flächenbrände derzeit auf der Welt sind größtenteils nicht natürlichen Ursprungs, sondern menschengemacht - etwa durch Brandrodungen, Brandstiftung und fahrlässiges Verhalten im Wald.

  • Auch Deutschland ist von Bränden betroffen. 2019 verbrannten rund 2.700 Hektar Wald. Das entspricht flächenmäßig 3.800 Fußballfeldern.

  • Viele Wälder können sich nicht mehr selbständig vom Schaden der Flammen erholen. Welche Folgen das für die Tier- und Pflanzenwelt hat, erfährst du weiter unten.

Ursachen und Verbreitung von Waldbränden

Die Folgen der Brände für die Tiere

Feuer-Liebhaber! Diese Tiere mögen's heiß

Pyrophilie heißt übersetzt Feuerliebe. So nennen Biologen es, wenn Tiere auf Feuer fliegen. Wortwörtlich trifft das auf den australischen Feuer-Prachtkäfer zu. Das Insekt legt seine Eier bevorzugt in der Kohle von verbrannten Eukalyptusbäumen ab. Dort bekommen die Larven Nahrung im Überfluss.

Der Käfer besitzt einen Sinn für Infrarot-Strahlen. Diesen nutzt er laut einer Bonner Studie, damit er sich bei der Landung auf den glühenden Kohlen nicht die Füße verbrennt. Dafür hat er Sensoren am Körper, die Wärme für ihn auch auf weite Entfernung spürbar machen.

Australischer Feuerkäfer im Studien-Versuch der Uni Bonn


Forscher der Uni Bonn erforschten den Wärme-Sinn des Feuerkäfers und sein Verhalten bei Bränden. Dafür klebten sie ihm eine Nadel auf den Rücken. Der Käfer kam nicht vom Fleck, konnte sich aber in verschiedene Richtungen drehen (A). Zudem zeigten mehrere Projektoren neben dem Käfer Bilder von Rauch (B).
© Helmut Schmit/ Universität Bonn

In Deutschland gibt es den Kiefern-Prachtkäfer, der ebenfalls Waldbrände per Infrarot spürt und einen guten Riecher für Rauch hat. Seine Wärme-Sinneszellen sind mit Wasser gefüllt. Bei Wärme dehnt sich das Wasser aus, der Käfer spürt Druck und surrt mit Feuereifer los. Einen Brand riecht er über 80 Kilometer Entfernung, sogar einen einzigen angekohlten Baum kann über einen Kilometer wahrnehmen.

Biologen beobachten Störche häufig in der Nähe von Bränden. Auf die Vögel wartet dort ein reichhaltiges Menü. Sie suchen tote Beute auf dem verbrannten Boden oder warten auf fliehende Insekten, Eidechsen und Kleinsäuger.

Störche fliegen nah am Feuer.


Für Störche bedeuten Brände ein reichhaltiges Festmahl an fliehenden Beutetieren.
© Getty Images

In Australien soll es sogar Vögel geben, die absichtlich Feuer anfachen. Der Schwarzmilan hebt glühende Stöcke in der Nähe von Flammen auf und wirft sie etwas weiter wieder ab. Die Folge: Der Brand weitet sich aus - und der gefiederte Jäger kann noch mehr Beute machen. Gefräßiger Brandstifter!

So könnte ein Käfer bei der Eindämmung von Waldbränden helfen

Dieser Käfer verhindert Waldbrände

So könnte ein Käfer bei der Eindämmung von Waldbränden helfen

Der schwarze Kiefernprachtkäfer besitzt eine einzigartige Fähigkeit: Auf seiner Bauchseite hat er ein ausgeklügeltes Sinnesorgan. Das erkennt über Sensoren die Infrarot-Strahlung eines Waldbrandes und lässt ihn potentielle Brutplätze noch aus bis zu 80 Kilometern Entfernung wahrnehmen.

Natürlicher Kreislauf bei Waldbränden

Wie Feuer den ökologischen Kreislauf prägt und verändert.

Brände können auch eine Chance für den Wald sein!

  • Feuer-Funktion: Für ein intaktes Ökosystem ohne menschlichen Einfluss sind Waldbrände teils wichtig. Natürlicherweise lösen Blitze, Vulkane und Selbstentzündung bei Hitze und Trockenheit Brände aus.

  • ☀️

    Es werde Licht: Feuer dünnt das Unterholz aus und Pflanzen bekommen so mehr Licht, was sie etwa zum Verarbeiten von Nährstoffen benötigen.

  • 🌱

    Mehr Vielfalt: Wo vorher Monokultur den Wald prägte, ist nach einem Feuer die Chance auf Artenvielfalt höher. Zudem verjüngt sich der Wald.

  • 🦎

    Seltene Tiere kommen: Heidepflanzen etwa wachsen nach einem Feuer gut. Mit ihnen siedeln sich bedrohte Tierarten wie Birkhuhn, Ziegenmelder (auch Nachtschwalbe genannt), Kreuzotter und Smaragdeidechse.

  • 🔥

    Feurige Fortpflanzung: Einige Bäume wie Kiefern sind auf hohe Temperaturen angewiesen. Bei Hitze öffnen sich die Tannenzapfen und die Samen können sich verbreiten. Sie fallen auf nährstoffhaltigen Ascheboden und finden gute Wachstumsbedingungen.

Feuer im Regenwald: ein Teufelskreislauf

Die Einwirkung und Bedrohung des Feuers auf die Regenwälder.

Darum ist Feuer im Regenwald so fatal

  • 🌎

    Das Ökosystem im Amazonas-Regenwald ist Millionen Jahre alt. Feuer ist äußerst selten in dem feuchten Gebiet. Die großen Brände derzeit sind vor allem durch Brandrodungen verursacht.

  • 🔥

    Bäume, Blumen und andere Pflanzen sind nicht an Feuer angepasst. Die Folge: Sie sterben in den Flammen und eine einzigartige Vielfalt verschwindet.

  • 🌧️

    Als Langzeitfolge ist das Selbstbewässerungssystem gestört. Denn: Wald gibt mehr Feuchtigkeit in die Atmosphäre als Weideland. Also gibt es auch weniger Niederschlag - ein Teufelskreislauf.

  • 🏜️

    Ist der kritische "Tipping Point" erreicht, kippt das Klima. Wo heute Regenwald wächst, könnte künftig Savanne sein.

Was du für den Regenwald tun kannst

ProSieben Spezial: Der Regenwald brennt

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Der Regenwald ist die grüne Lunge der Erde. Welche Auswirkungen die Brände dort haben und wie du dem einzigartigen Ökosystem helfen kannst, zeigen wir dir im Video.

Veröffentlicht: 26.09.2020 / Autor: Alena Brandt