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Frau einsam zuhause

Cave-Syndrom: Ziehst du dich aus Angst vor Corona zurück?

Cave-Syndrom oder auch Höhlen-Syndrom: Unter diesen Begriffen versteht man das Phänomen, dass Menschen trotz Lockerungen soziale Kontakte  meiden - aus Angst vor Corona. Was laut Psychologie dahinter steckt und was du dagegen tun kannst.
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Cave-Syndrom: Die wichtigsten Fakten

  • Cave-Syndrom bedeutet übersetzt so viel wie Höhlen-Syndrom. Damit ist per Definition gemeint, dass sich Menschen nach Corona in ihren eigenen 4 Wänden wie in einer Höhle zurückziehen und isolieren.

  • Schon vor Corona gab es ein ähnliches Phänomen: Hikikomori ist vor allem aus Japan bekannt und beschreibt Menschen, die freiwillig die Isolation suchen.

  • In der Psychologie sehen viele Expert:innen das Cave-Syndrom nicht als Krankheit, sondern als Anpassungsverzögerung. Es ist die Angst vor dem Leben nach der Pandemie. Manche Menschen brauchen länger. Das ist bis zu einem gewissen Grad ganz normal. Man kann aber durchaus gegen den Corona-Blues etwas unternehmen.

  • Eine Studie der American Psychological Association belegt, dass sich 49 Prozent der US-amerikanischen Bevölkerung mit dem persönlichen Kontakt nach der Pandemie schwertun. Egal ob geimpft oder ungeimpft.

Cave-Syndrom: Woher kommt die Angst?

  • Während der Pandemie haben wir gelernt, dass es riskant sein kann, andere Menschen zu treffen. Diese Angst haben wir verinnerlicht. Nun müssen wir diese erst wieder verlernen.

  • 🦠

    Das ist gar nicht so leicht. Denn durch die neueste Delta-Variante von Corona ist das Risiko, sich oder andere anzustecken, noch allgegenwärtig.

  • 👨‍👨‍👧‍👦

    Nicht nur die Angst vor dem Virus ist ein Grund für das Cave-Syndrom, sondern laut Psychologie auch der Fakt, dass wir hinsichtlich Treffen mit anderen etwas eingerostet sind.

  • 🏙️

    Es ist normal, dass wir schnell überfordert sind. Das geht uns nach einem Urlaub auf dem Land schließlich genauso, wenn wir plötzlich wieder in die überfüllte Stadt kommen.

Psychologie: Wann braucht es Hilfe?

Wie du mit dem Cave-Syndrom umgehen solltest, hängt davon ab, wie sehr es dich belastet. Möchtest du wieder Leute treffen, schaffst es aber nicht, dich zu überwinden, kann eine Angst-Störung dahinter stecken. Dann solltest du dir professionelle psychologische Unterstützung suchen. Hast du jedoch sowieso keine Lust oder keine FOMO, braucht es vielleicht etwas Zeit.

Cave-Syndrom: Tipps von Verhaltens-Therapeutin Ulrike Schneider-Schmid

Wie äußerst sich das Cave-Syndrom genau bzw. wie bemerkt man es?

💡 Die betroffene Person merkt, dass sie die nun wieder gewonnenen sozialen Freiheiten gar nicht nutzen möchte. Ein Widerstand ist spürbar, man fühlt sich noch nicht bereit für die "Normalität". Wenn man daran denkt, nun wieder ins Restaurant, in Konzerte oder in Menschengruppen gehen zu sollen, taucht Unwohlsein oder gar Angst auf. Man möchte die kuschelige, sichere und gemütliche Höhle doch nicht verlassen.

Muss man sich Sorgen machen, dass es für immer bleibt?

💡 Dies ist eine ganz normale Reaktion. Lange Monate wurden wir auf vielen Kanälen mit der Information konfrontiert, dass der Kontakt mit anderen Menschen für uns und unsere Liebsten potenziell tödlich sein könnte - eine mächtige Botschaft, die sich in uns festsetzt. Den Übergang dahin, dass dies nun doch wieder ungefährlich möglich ist, muss das Gehirn erst einmal schaffen. Wenn man keine Veranlagung zu einer psychischen Erkrankung in sich trägt, sollte sich das Cave-Syndrom mit der Zeit von selbst geben. Davon abgrenzen muss man die Agoraphobie, dies ist eine Angststörung, Betroffene reagieren z.B. auf Menschenmengen mit Panikattacken.

Wo kann man sich Unterstützung holen?

💡 Wenn die Person merkt, dass es für sie keinen Weg mehr aus der Höhle gibt, sich die selbst gewählte Isolation quasi verselbstständigt hat und sie stark darunter leidet, sollte sie Kontakt zu einem Psychotherapeuten suchen. Unter der Telefonnummer 116117 können sich gesetzlich Versicherte ein Erstgespräch vermitteln lassen, leider sind die Wartezeiten meist lang. Der erste Schritt kann auch der Gang zum Hausarzt sein, ein Anruf bei der Telefonseelsorge oder beim örtlichen Krisendienst, die meist auch lokale Unterstützungsangebote kennen.

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Frau sitzt einsam auf der Couch

Cave-Syndrom: Wenn man aus Angst vor Corona lieber zuhause bleibt.

Hilfe beim Cave-Syndrom in Zeiten von Corona

  • 🌳

    Geh es langsam an. Treffe Freunde im Freien zu einem Spaziergang statt dich gleich ins Restaurant zu setzen.

  • 📅

    Übe in kleinen Dosen. Wenn du 1-mal die Woche einen Termin hast, merkst du langsam, dass außerhalb deiner Höhle nicht so viel Gefahr durch Corona droht wie angenommen.

  • 😷

    Schnelltests, die Impfung und Umgebungen, in denen auf die Hygieneregeln geachtet wird, können dir zusätzliche Sicherheit geben.

  • 🗣️

    Kommuniziere offen mit deinen Mitmenschen. Sonst könnten sich deine Liebsten irrtümlicherweise zurückgewiesen fühlen.

  • 🛋️

    Vielleicht hast du während der Pandemie gemerkt, dass es dir gut tut, etwas mehr Zeit zuhause zu verbringen. Dann ist das auch okay.

Die wichtigsten FAQs zum Cave-Syndrom

  • ⁉️

    Was ist das Cave-Syndrom?

    Es ist die Angst vor der Normalität nach Corona. Wir ziehen uns lieber in unsere Höhle (cave) zurück, statt soziale Kontakte zu suchen.

  • ⁉️

    Ist die Angst vor den Lockerungen normal?

    Bis zu einem gewissen Grad schon. Wir haben lange gelernt, Kontakte zu vermeiden und müssen uns erst wieder daran gewöhnen.

  • ⁉️

    Welche Tipps gegen das Cave-Syndrom gibt es?

    Mache Schritt für Schritt, setze dich nicht unter Druck und suche sichere Orte, um dich mit anderen zu treffen - zum Beispiel bei einem Picknick am See. Erkläre deine Bedenken offen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.

Veröffentlicht: 17.08.2021 / Autor: Bianca Leppert