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Ein Rettungsring schwimmt einsam in einem Pool.

Gefahr beim Schwimmen: Ertrinken sieht nicht aus, wie du denkst

Viele glauben, Ertrinkende wedeln mit den Armen und rufen laut. Doch das Gegenteil ist der Fall. Wann jemand Hilfe braucht und wie du dich im Notfall richtig verhältst, erfährst du hier. Im Clip: Die häufigsten Bade-Mythen.
Gefahr beim Schwimmen: Ertrinken sieht nicht aus, wie du denkst
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Das Wichtigste zum Thema Ertrinken

  • Viele Filme oder Serien vermitteln ein falsches Bild von Ertrinkenden. Wer tatsächlich in Not ist, ist gar nicht so leicht zu erkennen. Deshalb kommt es auch immer wieder zu tödlichen Unfällen.

  • 2021 sind in Deutschland laut Deutscher Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) mindestens 299 Menschen ertrunken – die Opfer der Hochwasser-Katastrophe nicht mitgezählt. Die meisten starben in Seen und Teichen, gefolgt von Flüssen.

  • 80 Prozent aller Ertrunkenen waren Männer. Menschen über 50 Jahre ertrinken zudem häufiger als Kinder. Die DLRG vermutet, dass Selbst-Überschätzung der Grund ist. Auch Muskel-Krämpfe, überraschende Strömungen oder zu viel Alkohol stellen Gefahren dar.

  • Hier erfährst du, wie Ertrinken wirklich aussieht und was du im Ernstfall unternehmen solltest.

Ertrinken: Warum Opfer nicht nach Hilfe schreien

  • Ertrinkende Menschen schreien und winken nicht, sondern kämpfen lautlos mit dem Wasser. Oft passiert das ganz in der Nähe vom Ufer, Beckenrand oder von anderen Badegästen.

  • Beim Ertrinken gelangt Wasser in die Atemwege. Daraufhin verkrampft die Stimmritze im Kehlkopf, um die Lunge zu schützen. Das führt zu Atemnot, Sauerstoff-Mangel und schließlich zum Kreislauf-Kollaps.

  • Ertrinken geht sehr schnell. Länger als 30 bis 90 Sekunden können sich besonders Kinder nicht an der Wasser-Oberfläche halten. Danach sinkt der Körper unter Wasser.

  • Wer Ertrinkenden zu Hilfe kommen will, sollte nie planlos ins Wasser springen. Auch das wird in Filmen oft anders dargestellt. Tipps, wie du es richtig machst, findest du weiter unten.

SOS? Daran erkennst du, ob jemand in Not ist

So sehen Ertrinkende aus

5 Anzeichen, dass jemand Hilfe braucht

  • Die Person ist plötzlich sehr still. Ertrinkende schaffen es physisch nicht mehr zu schreien, weil sie vollauf mit Luftschnappen beschäftigt sind. Sie reagiert auch nicht auf Ansprache.

  • Die Person taucht immer wieder auf und ab. In den Phasen über Wasser wird noch versucht, ein- und auszuatmen. Für Hilferufe reicht die Zeit aber nicht.

  • Die Arme drücken seitlich auf das Wasser, um den Mund zur Oberfläche zu bekommen. Die ertrinkende Person schafft es dadurch nicht, mit Winken auf sich aufmerksam zu machen oder gar zu schwimmen.

  • Der Körper steht senkrecht im Wasser - anders als bei Schwimmenden, die eher im Wasser liegen. Der Mund wird zur höchsten Stelle gebracht.

  • Wichtig: Auch wer es noch schafft, um Hilfe zu rufen, ist ein Notfall. Vielleicht hat die Person einen Krampf, kann aber noch nach einer Rettungs-Leine greifen.

Ertrinken: Auch darauf solltest du achten

Auch auf andere Anzeichen, dass jemand ertrinkt, kannst du achten. Sie treten nicht immer auf, kommen aber vor:

👉 Die Augen sind geschlossen, starr, panisch aufgerissen oder glasig und leer.

👉 Die Haare kleben auf der Stirn oder im Gesicht.

👉 Die Person hält den Kopf in den Nacken und in Mund leicht geöffnet.

👉 Der Atem ist beschleunigt, die Person hyperventiliert.

👉 Die Person macht hektische Bewegungen, kommt aber nicht vom Fleck.

Finde die Ertrinkenden!

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Retten, aber richtig: So hilfst du Ertrinkenden

  • 📣

    Prüfe, ob die Person auf Rufen reagiert. Wenn nicht, gilt höchste Alarmstufe. Aber auch wer noch antworten kann, kann in Not sein.

  • 🏊

    Bring dich nicht selbst in Gefahr, etwa indem du deine Kräfte überschätzt, zu weit rausschwimmst oder in einen Fluss hinterherspringst.

  • 📞

    Ruf den Notruf 112 oder alarmiere an bewachten Ufern die DLRG oder Wasserwacht.

  • 🤾

    Wirf Ertrinkenden Gegenstände zu, die sie über Wasser halten: zum Beispiel eine Luftmatratze, einen Ball, zusammengeknotete Kleidung oder einen dicken Ast.

  • 😵

    Ertrinkende reagieren nicht mehr rational. Nähere dich vorsichtig. Es besteht die Gefahr, dass du festgehalten wirst, einen Schlag abbekommst oder unter Wasser gezogen wirst.

  • 💪

    Die wichtigsten Rettungs-Griffe sind Kopfschlepp-Griff und Achselschlepp-Griff. Dabei wird eine Person entweder am Kopf oder an den Achseln rückwärts aus dem Wasser gezogen. Diese Griffe sind nichts für Ungeübte, denn der Kopf der ertrinkenden Person muss unbedingt über Wasser bleiben.

  • 🎒

    Ist die Person noch schwimmfähig, kann sie sich an deiner Schulter festhalten und von dir ans Land ziehen lassen. Das nennt man Transport-Schwimmen.

  • 🚑

    Wieder an Land, unbedingt den Rettungsdienst rufen. Manchmal hat die verunglückte Person noch Wasser in der Lunge. Das kann sogenanntes sekundäres Ertrinken auslösen.

  • 🗣

    Fühlst du bei der Person noch Puls? Dann in die stabile Seitenlage bringen. Bei einem Atem-Stillstand abwechselnd 30 Mal Herzdruckmassage machen und danach zwei Mal beatmen. Nicht aufhören, bis die Rettung übernehmen kann.

  • 🧜

    Du kannst selbst nicht oder nur schlecht schwimmen? Damit bist du nicht allein, laut einer Forsa-Umfrage geht es zwölf Prozent aller Menschen in Deutschland so. Trau dich und mach einen Schwimm-Kurs für Erwachsene!

Was bedeuten die Flaggen am Strand?

Eine rot-gelbe Flagge weht am Strand.
Rot-Gelb: Rettungs-Schwimmer:innen überwachen diesen Bereich.
Eine gelbe Flagge weht am Strand.
Gelb: Baden auf eigene Gefahr. Nur für geübte Schwimmer:innen.
Eine rote Flagge weht am Strand.
Rot: Baden ist hier verboten, es besteht Lebensgefahr.
Ein orangefarbener Windsack weht vor blauem Himmel.
Orangefarbener Windsack: Auf Luftmatratzen und aufblasbare Tiere verzichten.
Eine schwarz-weiße Flagge weht am Strand.
Schwarz-Weiß: Baden verboten, der Abschnitt ist für Boote und Wassersport reserviert.
Eine blaue Flagge mit weißem Kreis weht am Strand.
Blau mit weißem Kreis: Das ist ein Gütesiegel - die Wasserqualität ist hier gut.
Eine rot-gelbe Flagge weht am Strand.
Eine gelbe Flagge weht am Strand.
Eine rote Flagge weht am Strand.
Ein orangefarbener Windsack weht vor blauem Himmel.
Eine schwarz-weiße Flagge weht am Strand.
Eine blaue Flagge mit weißem Kreis weht am Strand.

Life-Hacks: Wie du dir selbst im Wasser hilfst

Von der Strömung aufs Meer hinausgezogen? Brandungs-Rückströme, sogenannte Rip Currents, sind gefürchtet. Es gibt sie selbst in der ruhigen Ostsee. Wichtig: Kämpfe auf keinen Fall gegen die Strömung an. Das macht deine Arme müde. Besser ist, auch wenn es Überwindung kostet: ein Stück mit dem Sog aufs offene Wasser hinausaustreiben lassen und dann seitlich aus der Strömung herausschwimmen. Danach mit den Wellen zurücktreiben lassen.

Im Fluss abgetrieben? Fast ein Drittel aller Ertrinkungs-Fälle ereigneten sich 2021 in einem Fluss. Ist die Strömung stark, lass dich mit den Füßen voraus treiben, um nicht mit dem Kopf gegen einen Stein oder Hindernis zu prallen. Schwimm dann in einem ruhigeren Abschnitt in einem 45-Grad-Winkel zurück zum Ufer. Vorsicht vor Baum-Stämmen im Wasser: Dahinter bilden sich manchmal Strudel.

Wade oder Fuß krampfen? Kältere Wasser-Schichten in der Tiefe und Anstrengung können einen Krampf auslösen. Dann gilt: Ruhe bewahren. Oft dauert der Krampf nur wenige Minuten. Geh in die Rückenlage und versuche, den betroffenen Muskel zu dehnen. Danach raus aus dem Wasser! Tipp: Das Dehnen verschiedener Muskeln beim Schwimmen kann man gut in flachem Gewässer üben.

Die Kraft geht dir aus? Nimmt dir Zeit, um Kraft zu tanken, indem du "toter Mann" spielst. Dabei schwebst du in Rückenlage im Wasser, Arme und Beine bewegen sich nicht oder kaum. Alternativ geht auch die Bauchlage, wobei du den Mund nur zum Einatmen hebst. Nach einigen Minuten hast du spürbar mehr Kraft.

Du hast dich in Pflanzen verfangen? In deutschen Seen gibt es immer mehr Unterwasser-Pflanzen. Grund dafür sind höhere Temperaturen infolge des Klimawandels. Wenn du in einen grünen Teppich hineingeschwommen bist, gilt: Ruhe bewahren, in Rückenlage gehen und wieder herauspaddeln. Dabei die Pflanzen locker vom Körper abstreifen. Nicht panisch strampeln, denn dadurch verhedderst du dich vielleicht.

Wie Roboter Ertrinkende retten

Wie Roboter Ertrinkende retten

Ein bojenförmiges Ding namens "Emily" soll in den Niederlanden Menschen in Not helfen.

Bade-Mythen: Welche stimmen, welche nicht?

  • ⁉️

    Darf man mit vollem Bauch ins Wasser?

    Es ist nicht schädlich, nach dem Essen schwimmen zu gehen. Ein voller Bauch kann aber müde machen, das falsche Essen für Übelkeit und Erbrechen sorgen. Also Vorsicht! Mit ganz leerem Magen schwimmen ist aber auch nicht gut, da die Muskeln Energie brauchen.

  • ⁉️

    Kriegt man unter Wasser Sonnenbrand?

    Ja, selbst einen Meter unter dem Wasser kommt noch ein Großteil der UV-Strahlung an. Zudem reflektiert die Wasseroberfläche Strahlung – eine zusätzliche Belastung. Haut mindestens 30 Minuten vor dem Schwimmen eincremen, damit die Sonnencreme noch einziehen kann.

  • ⁉️

    Kriegt man einen Herzinfarkt, wenn man in kaltes Wasser springt?

    Der starke Temperatur-Unterschied belastet das Herz tatsächlich. Gesunden macht das meist nichts aus. Aber für Menschen mit vielleicht unerkannten Herz-Erkrankungen ist der Sprung ins kalte Wasser gefährlich. Es gibt immer wieder Todesfälle, daher lieber vorher abkühlen.

  • ⁉️

    Wo ist Schwimmen gefährlicher: See oder Meer?

    Prinzipiell ist Schwimmen im Meer gefährlicher, weil Wasser und Untergrund unberechenbar sind. In Deutschland sterben aber mehr Menschen beim Baden im See. Das ruhige Wasser wird unterschätzt, und es gibt mehr unbewachte Stellen.

  • ⁉️

    Muss man bei Gewitter aus dem Wasser?

    Ja. Weil Wasser ein guter Leiter ist, verteilt sich der Blitzstrom hier über größere Flächen. Süßwasser leitet sogar noch besser als Salzwasser. Lebensgefahr! Ein Kopf im Wasser ist zudem die höchste Erhebung. Dasselbe gilt am Strand, also schnell einen geschützten Unterschlupf suchen.

Veröffentlicht: 22.07.2022 / Autorin: Chris Tomas