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Endlich BEReit: Die (fast) unendliche Geschichte vom Flughafen BER

2020 statt 2011, 7 Milliarden Euro statt 2 Milliarden Euro: Mit vielen Jahren Verspätung und zusätzlichen Kosten geht der Flughafen BER in Betrieb. Wie kam es so weit?
Das Bild zeigt eine Luftaufnahme des Flughafens Berlin Brandenburg BER. Nach mehreren geplatzten Terminen wurde der Flughafen BER am 31. Oktober 2020 eröffnet.

Das Wichtigste zum Thema Flughafen Berlin Brandenburg BER

  • Am 31. Oktober 2020 geht der Flughafen Berlin Brandenburg BER in Betrieb. Damit wird inklusive Vorplanungen ein jahrzehntealtes Mammut-Projekt abgeschlossen.

  • Party-Stimmung herrscht trotzdem kaum: Eigentlich sollte der Bau bis spätestens 2011 fertig sein.

  • Durch vielfältige Fehler bei der Planung und Umsetzung hat sich nicht nur die Fertigstellung in die Länge gezogen. Auch haben sich die vorgesehenen Gesamtosten mehr als verdreifacht.

  • Daher muss der BER haufenweise Scherze auf seine Kosten aushalten. Er gilt als ein Sinnbild für ein außer Kontrolle geratenes Groß-Projekt.

Start des BER am 31. Oktober 2020 – jetzt wirklich

Bereits kurze Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 stand fest: Berlin als Bundeshauptstadt braucht einen neuen Flughafen.

Das war die Geburtsstunde des Flughafens Berlin Brandenburg BER. Das ist ein aufwendiger Ausbau des bisherigen Flughafens Schönefeld, den der BER ersetzt. Laut erster Planungen sollte das staatliche Großbauprojekt spätestens 2011 in Betrieb gehen.

Aufgrund verschiedener Fehler in der Vorbereitung sowie Durchführung platzte die Eröffnung jedoch reihenweise. Ende Oktober 2020 legt der Betrieb am neuen Berliner Flughafen aber schließlich doch los.

Die überlange Bauzeit hat allerdings insbesondere finanzielle Auswirkungen: Statt anfangs geplanter 2 Milliarden Euro belaufen sich die Gesamtkosten vom Flughafen BER auf rund 7 Milliarden Euro.

Julia Klöckner


Mit dem ersten Flugzeug der Bundesregierung landete am 21. Oktober 2020 Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU; Foto) am BER. Ab sofort starten von dort alle Flüge der Bundesregierung und auch Gäste werden am Flughafen BER empfangen.
© picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Wie das Unheil am BER seinen Lauf nahm

  • 🙉

    1996: Auf politischen Druck des Bundes fällt die Wahl des Standorts auf Schönefeld. Die Anwohner sind damit wegen des zu erwartenden Fluglärms von Beginn an nicht zufrieden und protestieren. Die anderen Berliner Flughäfen Tegel und Tempelhof sollen schließen.

  • 💰

    2004: Der Bau des Flughafens mit dem Arbeitstitel Berlin-Brandenburg International (BBI) darf beginnen. Laut einer ersten Grundsatzvereinbarung 2002 soll der Flughafen BER 2008 in Betrieb gehen. Voraussichtliche Kosten: 2 Milliarden Euro.

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    2005: Den ersten Bau-Stopp gibt's noch vor Bau-Beginn, weil Bürger-Initiativen gegen die künftige Lärmbelästigung klagen.

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    2006: Die Flughafen-Gegner müssen sich vor Gericht größtenteils geschlagen geben. Unter zwar verschärften Lärmschutzauflagen erfolgt offiziell der 1. Spatenstich. Neues Bau-Ziel: 2011.

  • 2010: Dauerbaustelle statt Final Steps. Eine Planungsfirma geht pleite, zusätzlich wehren sich viele Bewohner gegen erste Flugrouten-Vorschläge. Weil die Fertigstellung 2011 nicht mehr zu schaffen ist, wird die Eröffnung auf Mitte 2012 verschoben.

  • 🔥

    2012: Der große Knall! Erst 4 Wochen vor dem geplanten BER-Start kommt die nächste Absage. Massive Probleme beim Brandschutz verhindern eine Genehmigung. Neuer Start-Termin: Ende 2013.

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    2014: Das Jahr 2013 vergeht, ohne dass der BER eröffnet. Ein Untersuchungsausschuss stellt eine lange Liste mit Baumängeln und Fehlplanungen fest. So soll der BER für die geplante Passagierzahl zu klein sein. Die Gesamtkosten betragen zu dem Zeitpunkt bereits über 4 Milliarden Euro.

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    2017: In der Chef-Etage wechseln sich die Stühle im Laufe der Jahre mehrfach. Auch deswegen gehen die Planungen zur Eröffnung selbst Ende 2017 und 2018 nicht auf. Ende 2017 gibt's einen wieder anderen Start-Termin: Ende Oktober 2020 soll der BER in Betrieb gehen.

  • 2020: Am 31. Oktober ist der Flughafen BER schließlich ready for take-off. Ab dem 1. November startet der Airport in den vollen Betrieb. Am Flughafen Tegel endet der Flugbetrieb am 8. November, während der Flughafen Tempelhof bereits seit 2008 geschlossen ist.

Brandneu und völlig verlassen: Sri Lanks Geisterflughafen

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Nicht nur der BER ist ein Flughafen mit ausbaufähiger Planung. Der "Mattala Rajapaksa International Airport" in Sri Lanka hat 150 Mitarbeiter und doch gibt es täglich höchstens 12 Fluggäste. Mehr zu den Hintergründen im Clip.

Von zu kurzen Rolltreppen bis Mini-Mülltonnen

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    Im Laufe der Bau-Jahre des BER ist offenbar nicht nur manche Planung zu kurz geraten. Auch bei den Rolltreppen aus dem unterirdischen Bahnhof stellte sich heraus: Einige Stufen fehlten! Der Grund: Während noch umgeplant wurde, war die Rolltreppe bereits bestellt worden.

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    Ähnlich schief lief es auch bei der Raumplanung: Rund ein Drittel der etwa 4.000 Räume war zeitweise falsch nummeriert, weil während der Umplanungen keiner den Überblick bewahrte.

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    Hunderte Bildschirme für Fluggast-Infos mussten ebenso erneuert werden. Sie waren seit 2012 in Betrieb und hatten daher schon vor der Eröffnung 2020 den Geist aufgegeben.

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    Apropos Geister: Damit die Tunnel im unterirdischen Bahnhof nicht schimmelten, fuhren regelmäßig Geisterzüge ohne Fahrgäste hindurch und lüfteten die Tunnel.

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    Umständlich und teuer war auch der nachträgliche Anbau eines Flugsteigs für den Super-Airbus A380. Dabei wird das Riesen-Flugzeug, dessen Produktion 2021 eingestellt wird, wohl nur selten am BER landen.

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    Tester des Flughafens stellten außerdem fest: Die Mülleimer an einem Terminal sind zu klein. Durch deren Öffnungen passte nicht einmal ein Kaffeebecher. Daraufhin wurden Hunderte Mülltonnen ersetzt.

"Ist der BER in Betrieb?"

In der Öffentlichkeit ist das Chaos rund um den BER längst ein Running-Gag. Auch in sozialen Medien wie Twitter erlauben sich Nutzer Späße auf Kosten des Großbauprojekts.

Seit einigen Jahren fragt ein Account etwa in unregelmäßigen Abständen danach, ob der BER inzwischen in Betrieb ist - und liefert die passende Antwort gleich mit.

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Im Zuge der Corona-Pandemie standen viele Flugzeuge lange Zeit still und die Räume der Flughäfen leer. Galileo hat am Frankfurter Flughafen nachgeschaut, wie die Vorbereitungen auf den Restart liefen.

Veröffentlicht: 31.10.2020 / Autor: Alexander Duebbert