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Keine Chance für Hass im Netz: Was du dagegen tun kannst

Sicher begegnet auch dir häufig Hate Speech in den sozialen Netzwerken, denn Facebook und Co. sind voll davon. Wir zeigen dir, wie du Hass-Parolen noch heute den Kampf ansagst.

Das Wichtigste zum Thema Hass im Netz

  • Hate Speech ist allgegenwärtig. Laut einer Umfrage der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen wurden 96 Prozent der 14 bis 24-Jährigen in Deutschland bereits Zeuge von Hass im Netz.

  • Beleidigungen, verbale Gewalt und offenkundiger Hass - laut der Kampagne "No Hate Speech" des Europa-Rats sind die meisten Hasskommentare gegen das LGTBQ-Kollektiv gerichtet - gefolgt von Muslimen-Feindlichkeit und Sexismus gegen Frauen.

  • Auch Rechtsradikalismus, Rassismus und die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen spielen eine große Rolle.

Counter Speech - misch dich ein!

"Counter Speech" (englisch für "Gegenrede") heißt, nicht länger Teil der schweigenden Mehrheit zu sein - sondern aktiv zu werden und Hass zu kontern. Nicht mit Gegen-Hass, sondern friedlich - mit Humor und Argumenten.

Nur 31 Prozent der "Hater" bekommen im Netz Gegenwind. 64 Prozent hingegen fühlen sich in ihren Parolen bestätigt.

Doch Widerstand lohnt sich, das haben Forscher aus dem Umfeld des Santa Fe Institute festgestellt. Organisierte Gegenrede könnte tatsächlich ein wirksames Mittel gegen Hass im Netz sein. Mehr dazu erfährst du auf dieser Seite. 

So konterst du Hass-Kommentare

  • Melde unangemessene Kommentare bei der entsprechenden Social-Media-Plattform. Diese muss für die Löschung des Posts sorgen.

  • 👮

    Hass im Netz ist in vielen Fällen strafbar. Drohe dem Verfasser mit Konsequenzen - etwa "Lösche den Kommentar oder es kommt zu einer Anzeige." Wie du Anzeige gegen Hate Speech erstattest, liest du weiter unten.

  • ☝️

    Benenne das Verhalten. Weise den Hater auf sein Fehlverhalten hin, indem du etwa schreibst: "Das ist rassistisch, belästige mich nicht weiter damit."

  • 🧐

    Frag nach. Hasskommentare sind unseriös. Wo es sich anbietet, bohre nach: "Woher weißt du das? Hast du dazu eine Quelle?" So legst du das unreife Verhalten offen.

  • 😉

    Kontere mit humorvollen GIF's und Memes. Die Initiative "No Hate Speech" hat extra dafür schon ein paar lustige parat - siehe unten.

Hate Speech kontern - mit Humor

Meinungsfreiheit hat Grenzen - Hass ist keine Meinung

  • ⚖️

    Seit 2017 gibt es in Deutschland das "Netzwerk-Durchsetzungs-Gesetz" (NetzDG).

  • 💻

    Es wurde speziell für Hass im Netz eingeführt und verpflichtet die Betreiber gewinnorientierter sozialer Netzwerke dazu, "offensichtlich strafbare Inhalte" binnen 24 Stunden nach Eingang einer Beschwerde zu löschen - sonst drohen Strafen von bis zu 50 Millionen Euro.

  • ☝️

    Doch bei Hass im Netz greifen noch mehr Gesetze: Verleumdung, Volksverhetzung, das Verbot bestimmter Symbole (wie das Hakenkreuz oder der Hitlergruß), üble Nachrede, öffentliche Beleidigung oder die Beschimpfung religiöser Bekenntnisse ist in Deutschland strafbar.

  • 👨‍⚖️

    Das bedeutet: Wer Zeuge von Hassparolen, feindlichen Äußerungen oder Beleidigung im Netz wird, kann Anzeige erstatten.

  • 👮

    Hierzu speicherst die URL des Posts, das Profil des Verfassers, machst einen Screenshot des Kommentars und gehst damit zur Polizei.

  • 📱

    Melde den Post auch beim sozialen Netzwerk - damit er baldmöglichst gelöscht wird.

Anzeige erstatten lohnt sich - das zeigen diese prominenten Beispiele

  • 👨‍⚖️

    Der Pegida-Gründer Lutz Bachmann beschimpfte Flüchtlinge auf Facebook als "Gelumpe", "Viehzeug" und "Dreckspack". Ergebnis: 9.600 Euro Strafe wegen Volksverhetzung.

  • 👨‍⚖️

    "Vergasen sollte man die Mistviecher" - das sagte Video-Blogger Julien in seinem fast 800.000 Mal geklickten Video über die Lokführer der Gewerkschaft GDL. Das Ergebnis: 8 Monate Gefängnis und 15.000 Euro Geldstrafe wegen Verleumdung.

  • 👨‍⚖️

    Merkel solle "öffentlich gesteinigt werden" - dieser Kommentar kostete einen 28-Jährigen Facebook-Nutzer aus Bochum 2.000 Euro Strafe wegen "Aufruf zur Gewalt".

Veröffentlicht: 01.07.2020 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau

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