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Wie faul ist das Faultier wirklich?

Abhängen, schlafen, fressen - alles macht das Faultier in Zeitlupe. Doch hinter so viel Langsamkeit steckt ein unglaublich cleveres Energiespar-System.
Faultiere sind in Wirklichkeit gar nicht so faul - sondern einfach nur clevere Energie-Sparer.

Das Wichtigste zum Thema Faultiere

  • Faultier-Fakten: Es gibt Zwei- und Dreifinger- Faultiere. Sie leben in den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas.

  • Hang Loose: Mit 10 Zentimeter langen, gebogenen Krallen, die wie Haken funktionieren, hängen sie stundenlang an Ästen. Auch Regen bringt das Faultier nicht aus der Ruhe. Dank eines speziellen Fellwuchses lässt es ihn ganz locker abtropfen.

  • Schlafmützen: Zoo-Faultiere schlafen bis zu 20 Stunden täglich. In freier Wildbahn sind es dagegen nur knapp 10 Stunden.

  • Rekord: 50 Jahre alt ist Paula aus dem Bergzoo Halle - das älteste in Gefangenschaft lebende Faultier. Das bisher älteste in der Natur eingefangene Tier war 12 Jahre alt. Forscher vermuten, dass die Tiere rund 30 Jahre alt werden können.

  • Slow Motion: Faultiere sind nicht faul, sondern nur langsam. Sie führen ein Leben im Energiesparmodus und besetzen damit eine ökologische Nische. Wie clever die ist, erklären wir jetzt.

Energiespar-Modus an! So lebt's sich schön laaaangsam

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    Aus dem Staub machen kann sich ein Faultier nicht. Das Dreifinger-Faultier bewegt sich mit einer maximalen Geschwindigkeit von 4 Metern pro Minute fort, also 1/4 Kilometer pro Stunde. Aber: Im Wasser sind sie 3-mal so schell wie an Land.

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    Anatomisch perfekt ist der Körperbau der Tiere. Dank sehr langer Arme, aber extrem kurzer, frei beweglicher Schulterblätter besitzen Faultiere einen maximalen Bewegungsradius.

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    Ihren Kopf können die Tiere um 270 Grad drehen. Möglich macht das eine verlängerte Halswirbelsäule. So erreichen sie mehr Nahrung - ohne großen Aufwand.

  • 🌡

    Heizung: Faultiere fahren nachts oder beim Schlafen ihre Körpertemperatur von 33 Grad um 10 Grad runter. Auch das spart Energie - und ist für ein Säugetier sehr ungewöhnlich.

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    Auf Dauer-Diät: Das Faultier besitzt das langsamste Verdauungssystem aller Säugetiere. Pro Tag isst es nur eine Handvoll Blätter, die um die 150 Stunden, also 6 bis 7 Tage, im Magen bleiben. Heißt: Die leichte Kost erlaubt gar keine schnellen Bewegungen.

  • 💩

    Abwärts: Das Zweifinger-Faultier lässt seine Exkremente einfach vom Baum fallen. Das Dreifinger-Faultier wandert nur zirka alle 7 Tage vom Baum, um sich zu erleichtern. Dort warten nämlich Fress-Feinde: Für die Hälfte der Faultiere endet so ein Toilettenbesuch tödlich.

Slow Sex: So lieben sich Faultiere

Dreiecks-Beziehung: Was Algen und Motten mit Faultieren zu tun haben

Zwei Faultiere im Baum

© Getty Images

 

Zwischen ihnen herrscht eine ziemlich spannende Symbiose. Wenn sich ein Dreifinger-Faultier am Boden erleichtert, legen Motten ihre Eier im Kot ab: Hier schlüpfen ihre Larven und ernähren sich.

Später leben die Motten wiederum im Fell des Faultieres. Dort produzieren sie chemische Substanzen wie Stickstoffverbindungen, die das Algenwachstum im Fell eines Faultiers ankurbeln.

Diese Algen - eine nährstoffreiche Zusatznahrung - frisst das Faultier. Übrigens stammt von den Algen auch die grünliche Farbe des Faultier-Pelzes - eine perfekte Tarnung zwischen den Blätterkronen im Dschungel.

Veröffentlicht: 04.05.2020 / Autor: Anna Kaltenhauser