Berliner Friedrichsbrücke verlassen im Lockdown

"No Covid" und "Zero Covid": Was ist der Unterschied?

Die Initiativen "Zero Covid" und "Null Covid" haben ein extremes Ziel: nahezu null Infektionen! Aber was ist der Unterschied zwischen den Strategien? Und können sie funktionieren? Das sagen die Befürworter und Kritiker.

"No Covid" und "Zero Covid" - wer steckt dahinter?

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    Die Unterstützer der Zero Covid-Bewegung, darunter Ärzte, Wissenschaftler und Klinik-Personal, orientieren sich am "internationalen Aufruf für die konsequente Eindämmung der Pandemie in Europa", den europäische Wissenschaftler Ende Dezember 2020 starteten.

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    Die Initiative setzt sich für eine radikale Kehrtwende der Corona-Maßnahmen ein. Hierzu starteten die Macher eine Petition und stellten ihre Strategie im Bundestag vor.

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    "No Covid" ist ein Positionspapier, das eine Reihe Wissenschaftler und Forscher erarbeitet haben. Am 18. Januar stellten sie es dem Bundeskanzleramt und den Ministerpräsidenten der Länder vor.

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    Zu den Autoren gehören unter anderem die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Clemens Fuest und der Mediziner Michael Hallek vom Uniklinikum in Köln.

"No Covid" und "Zero Covid" - was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede?

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    Beide Initiativen haben ein ähnliches Ziel: Die gewünschte 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnern soll weit unter der 50 liegen. "Zero Covid" fordert einen Wert nahe der Null, "No Covid" von unter 10.

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    Grund: Die Strategie "Flatten the curve" sei gescheitert. "Sie hat das Leben dauerhaft eingeschränkt und dennoch Millionen Infektionen und Zehntausende Tote gebracht", heißt es auf der Webseite von Zero Covid.

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    Beide Initiativen fordern Maßnahmen auf europäischer Ebene - nur so könne man die Pandemie dauerhaft ausmerzen. Vorbilder sind dabei Australien und Neuseeland - hier gab es mit die wenigsten Todesfälle weltweit. Mehr dazu weiter unten.

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    Und die Umsetzung? "Zero Covid" fordert einen "solidarischen" europäischen Lockdown - nicht nur Freizeit-Aktivitäten, sondern auch die Wirtschaft sollen heruntergefahren werden.

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    Die "solidarische Pause" soll durch eine "europaweite Covid-Solidaritäts-Abgabe" finanziert werden - getragen von hohen Unternehmensvermögen und den höchsten Einkommen. Ist die Null-Grenze nahezu erreicht, wird gelockert.

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    Die No-Covid-Strategie sieht keinen Widerspruch zwischen der Wirtschaft und dem Gesundheitsschutz. Vor Ort sollen Mitarbeiter nur noch im Notfall arbeiten - und dann unter strengen Hygiene-Auflagen, mit konsequentem Testen und in reduzierter Zahl. Ansonsten gilt so viel Home Office wie möglich.

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    Der Lockdown gilt so lange, bis die Inzidenz von 10 unterschritten wird. In sogenannten lokalen "Grünen Zonen" wird dann gelockert.

Was macht Neuseeland zum Vorbild?

Das Land handelte bei den ersten Corona-Infektionen sofort und strikt - mit kollektivem, hartem Lockdown, abgeschnitten vom Flug- und Schiffsverkehr. Das Erfolgsrezept: Corona gemeinsam komplett ausmerzen.

Das ganze Land blieb zu Hause und fieberte vor dem Fernseher mit, wie die Zahlen täglich sanken - bis es schließlich keine Infektionen mehr gab. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern (liebevoll "Tante Cindy" genannt) bespaßte und motivierte ihre Bürger während des Shutdowns auf Social Media - und erzeugte so ein Gemeinschaftsgefühl.

Bei einem späteren lokalen Ausbruch in Auckland ging eine Millionenstadt erneut komplett in den Lockdown, bis die Situation wieder unter Kontrolle war.

Neuseeland verzeichnet mit rund 5 Millionen Einwohnern bisher nur 25 Todesfälle. Die Befürworter von "Zero Covid" glauben, dass diese Strategie mit ein paar Anpassungen auch in Deutschland und Europa möglich ist.

Ist "Zero Covid" die Rettung? Das sagt Dr. David Schrittesser, einer der Sprecher der Initiative und Mathematiker an der Uni Wien

Warum ist "Zero Covid" wichtig?

💬 Zu wenig Impfstoff, zu viele Impf-Muffel: Es wird lange dauern, bis genug Menschen geschützt sind. Neue Mega-, Hyper-, und Ultra-Lockdowns, die aber doch nur zum Ziel haben, die Zahlen etwas zu drücken, beenden die Pandemie auch nicht. Mutationen verschlimmern alles noch.

💬 Das Gesundheitssystem ist jetzt schon überlastet, was zusätzlich zu den vielen Corona-Toten noch mehr Leid verursacht. Viele, die in nächsten Monaten noch erkranken, werden noch jahrelang an den Folgen leiden.

Warum wäre dieser Weg solidarisch und fair für alle?

💬 Um die Pandemie zu beenden, müssen wir alle an einem Strang ziehen. Aber nur wenige Firmen erlauben zum Beispiel Home Office - einschränken sollen sich immer die anderen. Wenn wir so weiter machen, profitieren am Ende aber nur sehr wenige davon.

💬 Das Virus unterscheidet ja nicht zwischen Arbeit und Freizeit. Wenn konsequenterweise auch die Arbeit eine Zeit lang auf das Minimum reduziert würde, könnten wir die Pandemie beenden. Das kostet zwar - aber werden die Kosten einer solidarischen Pause fair verteilt, ist das für alle gut.

Wie könnte die Zeit nach "Zero Covid" aussehen?

💬 In Ländern, die diesen Weg gegangen sind (zum Beispiel Neuseeland), sind Cafés, Restaurants, Strände und Fußballstadien wieder voll. Allerdings muss man bei Reisen strenge Quarantäne-Vorschriften einhalten. Wenn auch nur einige wenige Fälle auftreten, wird lokal wieder Pause gemacht - aber eben nur kurz, dann darf man wieder alles.

💬 So könnte man die Zeit überbrücken, bis das Virus durch genügend Impfungen endlich ganz verschwunden ist - ohne immer neue Lockdowns und immer wieder verlängerte Einschränkungen, ohne weiteres Leid und immer mehr Tote.

"Zero Covid" und "No Covid": Was denkst du darüber?

Parties und City-Bummel - was macht Taiwan anders?

In Taiwan tobt das Leben - und das mitten in der Corona-Krise. Obwohl das Land an China grenzt, gab es dort bislang nur 373 Infizierte und 5 Tote. Doch warum kommt die Insel so viel besser mit dem Virus klar - und was können wir davon lernen?

Sind die Strategien machbar? Hier gehen die Meinungen auseinander

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    Beide Initiativen finden in der Bevölkerung Anklang. Unter den Virologen gibt es sowohl Befürworter, als auch Kritiker.

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    Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Institut etwa sagte gegenüber dem Deutschlandfunk, es gehe nur "europaweit". Lockerungen hält die Virologin erst ab einem Inzidenzwert von 10 für sinnvoll - und bei niedrigen Fallzahlen ginge es auch der Wirtschaft gut.

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    Virologe Hendrik Streeck hingegen hält "Zero Covid" für aussichtslos und medizinisch nicht realisierbar - es sei unmöglich, jegliche Kontakte zu vermeiden. Im virtuellen Landeskongress Gesundheit Baden-Württemberg sagte er: "Trotz Impfstoff werden wir mit diesem Virus leben müssen."

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    Auch die Medien sind sich uneinig: Während die TAZ die "Zero Covid"-Strategie als "halbtotalitäre Fantasie" bezeichnete, heißt es in einem Kommentar der SZ:

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    "Greift das Virus weiter um sich, insbesondere die womöglich deutlich infektiöseren Mutanten, drohen immer mehr Menschen zu erkranken und zu sterben, auch jene, die derzeit Autos bauen."

Veröffentlicht: 09.02.2021 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau