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Ahnenforschung: So erstellst du deinen Stammbaum

An der Uni Oxford erstellte ein Team einen Stammbaum, der 100.000 Jahre zurückgeht - mit DNA-Daten. Wie funktioniert das? Außerdem: So kannst du selbst Ahnenforschung betreiben und mehr über deine Familie und Vorfahren herausfinden.
Ahnenforschung: So erstellst du deinen Stammbaum
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Stammbaum der Menschheit

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    Forschende der Uni Oxford haben für eine Studie den ältesten Stammbaum der Menschheit erstellt. Er geht 100.000 Jahre zurück.

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    Dafür werteten sie Tausende Genome von modernen und prähistorischen Menschen aus - auch von Neandertalern. Das Ziel: Die Geschichte der Menschheit verstehen.

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    Die Untersuchung zeigt, wie alle Menschen miteinander verwandt sind und die Wiege der Menschheit in Afrika liegt.

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    Jeder Mensch, der Infos über sein genetisches Material besitzt, könne laut Forscher Anthony Wilder Wohns die Daten zur Ahnenforschung nutzen.

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    Übrigens: Ahnenforschung mittels DNA-Test und Speichelprobe boomt derzeit. Fachleute warnen aber vor möglichem Datenmissbrauch.

Einen so komplexen Stammbaum darstellen - gar nicht leicht

Die Forschenden visualisierten den Stammbaum. Er zeigt die Abstammungslinien über Zeit und Raum. Jede Linie repräsentiert eine Beziehung zwischen Vorfahre und Nachkommen. Je breiter eine Linie ist, desto häufiger kommt sie vor. Die Farben der Linien geben das geschätzte Alter der Ahnen an.

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Zum Start in die Familienforschung: Diese Infos solltest du besorgen

  • Frage deine Familie nach den Vorfahren, an die sie sich erinnern oder von denen sie Infos haben und trage diese zusammen.

  • Welche unbekannten Verwandten gibt es noch? Wo leben diese? Gibt es Kontaktdaten? Besuche sie und schreibe auf, was sie noch wissen. Kopiere Unterlagen, falls vorhanden.

  • Schaue dir alte Familienbilder an. Notiere: Wer ist darauf zu sehen? Solche Infos gehen sonst mit der Zeit verloren. Infos aus Archiven kannst du auch später noch aufspüren.

  • Suche nach Sterbeurkunden, Geburtsurkunden, Eheurkunden, Tagebüchern und Briefen. Das alles sind gute Quellen.

  • Gibt es bereits einen Stammbaum? Dann kannst du dich daran orientieren und damit weiterforschen.

Genealogie-Quellen: von Gesindebuch bis Taufbrief

Taufbrief Ahnenforschung
Im Taufbrief finden sich oft Namen und Daten, die für die Familienforschung spannend...
Gesindebuch Familienforschung
Gesindebücher enthalten oft Steckbriefe über die Mägde und Knechte in der...
Gesindebuch Familienforschung
Gesindebücher machen soziale Verhältnisse spürbar. Sie enthalten auch Arbeitszeiten...
Familienforschung Ahnen Prästationsregister
Ein Prästationsregister von 1721. Noch nie gehört? Hier wurden die Abgaben der...
Copulationsregister Familienforschung
Kopulation? Keine Angst, in diesem Buch gibt es keine pornografischen Inhalte....
Kirchenbuch Einband Familienforschung
Hübsch verziert: So sieht beispielsweise der Einband eines Kirchenbuches aus.
Archivregal mit Kirchenbücher
Für die Familienforschung brauchst du Ausdauer: In diesem Archiv gibt es Gänge...
Taufbrief Ahnenforschung
Gesindebuch Familienforschung
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Copulationsregister Familienforschung
Kirchenbuch Einband Familienforschung
Archivregal mit Kirchenbücher

Die Dokumente spürte Familienforscher Heinrich Büsemeyer auf.

Untersuche die Geschichten hinter den alten Fotos

Suche nach alten Familienbildern. Oft liegen diese auf dem Dachboden, in Kisten und Schubladen vergraben. Schaue dir dann die Bilder an - am besten mit älteren Verwandten. Diese wissen eventuell noch, wer auf den Fotos zu sehen ist. Notiere dann die Namen - und frag auch nach Geschichten zu den Personen: Wie war ihr Charakter? Wie ist die Person mit der Familie verbunden? Gibt es Anekdoten oder besondere Erlebnisse? "Dieses Wissen geht sonst irgendwann verloren", sagt Familienforscher Heinrich Büsemeyer. Auch interessant: Schau mal, wem du ähnlich siehst von deinen Vorfahren.

alte Hochzeitsfotos Quelle Familienforschung Ahnenforschung


Das Hochzeitspaar Büsemeyer mit Hochzeitsgesellschaft im Jahr 1910: Solche Bilder sind gute Quellen für Ahnenforschung.
© Heinrich Büsemeyer

Gesangbücher enthalten oft Familieneinträge

Stöbere nach alten Gesangbüchern und Bibeln deiner Familie. Darin finden sich oft auch Einträge zur Familiengeschichte. Das Bild unten zeigt ein Gesangbuch aus dem Jahr 1843. Im Familienteil ist eingetragen, wann Angehörige gestorben sind.

Gesangbuch von 1843 Familienforschung


Dieses Gesangbuch stammt aus dem Jahr 1843.
© Heinrich Büsemeyer

In diesem Gesangbuch stehen folgende Angaben über die Familie. Sieht komisch aus? Sprache und Schrift sind in alten Quellen natürlich anders als heute:

Hermihne Emilie  Maria Ritter ist gestorben den 11ten Jannuar 1862 im alter von 10 Jahr und 4 Monat.

Mein Mann starb am 27ten Juli 1868 im alter 57 Jahr 6 Monat 6 Tage.

Meine Mutter starb am 10 Dezember 1887 im Alter 74 Jahr 4 Monat 18 Tag.

Maria Elisabeth Frieda Affemann geboren 6ten Oktober 1878

Pauline Affemann geboren am 7ten Dezember 1895.

Gesangbuch Familienteil Ahnenforschung


Im Gesangbuch ist eingetragen, wann welches Familienmitglied gestorben ist.
© Heinrich Büsemeyer

Hier bekommst du Auskunft über deine Vorfahren

  • Kirchenbücher führten Register über Taufen, Hochzeiten und Begräbnisse. Sie waren lange die einzige Quelle für personenbezogene Daten und sind die Hauptquelle für Ahnenforscher:innen. Die alten Kirchenbücher liegen bei den jeweiligen Kirchengemeinden und teils in Archiven.

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    Standesämter gibt es seit 1874. Sie erfassen ebenfalls Eheschließungen, Todesfälle und Geburten. Bei berechtigtem Interesse hast du das Recht auf Auskunft, Familienforschung zählt dazu.

  • 📖

    Grundbücher sind Fundgruben für Familiengeschichte. Sie verzeichnen etwa, wem welches Grundstück gehört und welche Rechte damit einhergehen. Sie wurden nach den Befreiungskriegen Anfang des 19. Jahrhunderts eingerichtet. Meistens steht darin sogar, warum ein Besitzer:innenwechsel stattgefunden hat. Die älteren Grundbücher findest du in der Regel in den Staatsarchiven. Um es einzusehen, musst du beim Grundbuchamt einen Antrag stellen.

  • 📚

    Kommunalarchive, Staatsarchive und Bundesarchive enthalten verschiedene Quellen für genealogische Forschungen.

  • 💻

    Online-Seiten für Familienforschung wie die kostenlose Plattform FamilySearch bieten Vorlagen und Infos für Stammbäume. Ancestry verfügt über eine große Sammlung historischer Dokumente online. Es gibt eine kostenlose Testversion für 14 Tage.

Wie Ahnenforscher:innen der Polizei bei Mordfällen helfen

Wie Ahnenforscher:innen der Polizei bei Mordfällen helfen

Viele Menschen schicken in den USA ihre DNA ein und finden so vieles über ihren Stammbaum heraus. Aber es hat noch einen ungeahnten Nebeneffekt: zum Beispiel die Aufklärung von Verbrechen.

Mit glühenden Zangen gezwickt und gerädert: So wurden Mörder früher bestraft

Familienforscher Heinrich Büsemeyer stöbert bei seiner Arbeit stundenlang in Kirchenbüchern. Neben den Daten zur Familiengeschichte stößt er häufig auf zeitgeschichtlich interessante Aufzeichnungen: zum Beispiel Berichte über durchziehende Truppen während der Kriege, von denen der Lebensort der Vorfahren betroffen war. Oder über den Umgang mit unehelichen Geburten und Suiziden - und auch auf den folgenden Mordfall. Dieser ereignete sich 1719 im nordrhein-westfälischen Windheim. Wie die Mörder bestraft wurden? Lies selbst:

1719 d. 31 Dezember ward des Voigt Kretzmar seine Frau in der Weser Todt gefunden mit vielen Wunden am Haupt. Wie sie nun besichtiget und aufgeschnitten und visitiret, so befindet sich alß das sie Todt geschlagen und in die Weser geworfen. NB darauff ist der Voigt Kretzmar benebst ein Bürger namens Stats Diederich Gieseking eingezogen und darauff nach bekanter That im Jahr 1721 d. 10 Janu  1721 jenseit der Weser gerichtet nahe bei jößen, der Voigt ist gerädert und zweymal mit glühenden Zangen gezwickt , der ander ist geköpffet und beyde auffs Rat geflochten, Gott behüte uns ferner für solches Laster und Morthat

Kirchenbuch Familienforschung Mord an der Weser


Auszug des Eintrags zum Mord in Windheim 1719 im Kirchenbuch.
© Heinrich Büsemeyer

Interview mit Familenforscher Heinrich Büsemeyer

  • Was hat Ihre Neugier für Ihre Vorfahren geweckt?

  • 💬

    Meine Großmutter väterlicherseits hat mir als Kind viel aus alten Zeiten erzählt. Ihr schwerstes Thema war der Tod ihres Mannes, der im 1. Weltkrieg gefallen war. Sie bewahrte alle Erinnerungsstücke wie Bilder und Briefe von ihm in einem Holzkästchen auf. Sogar das Kalenderblatt, auf dem sie aufgeschrieben hatte, wo sie sich kennengelernt hatten.

  • Und wie haben Sie mit der Familienforschung begonnen?

  • 💬

    Als 27-Jähriger reiste ich ins Geburtsdorf meines Ur-Großvaters, kontaktierte den Pastor und suchte im Kirchenbuch nach Familiendaten. In nur 3 Stunden bin ich bis vor 1800 gekommen – und mein Ehrgeiz war geweckt. Jetzt forsche ich seit vielen Jahren auch im Auftrag von anderen. Ich hatte bestimmt schon über 20.000 Personendaten auf den Tisch.

  • Was bekommen Ihre Kund:innen von Ihnen?

  • 💬

    Ich liefere nicht nur trockene Daten, sondern versuche – soweit ich sie belegen kann - eine Geschichte der Familie zu erzählen. Nur wenn etwa alle Kinder mit ihren Lebensdaten gefunden sind, kann man sich vorstellen, wie gefährdet ihr Leben bis weit ins 19. Jahrhundert war 50 Prozent erreichten nicht das Schulalter. Die Beerdigung mehrerer Kinder einer Familie in nur einer Woche während einer Pockenepidemie war keine Seltenheit. In Testamenten, Steuer- und Dienstregistern suche ich nach Infos, die die wirtschaftliche Situation der Familie beleuchten. Für alles gebe ich die genauen Quellen an und übertrage die Texte so, dass sie lesbar sind.

  • Was haben sie Besonderes über Ihre Familie herausgefunden?

  • 💬

    Mein 1857 geborener Ur-Großvater war Heuerling wie viele Menschen damals: Er hatte eine kleine Landwirtschaft gepachtet zur Selbstversorgung - vielleicht mit einer Kuh. Heuerlinge übten häufig auch ein ländliches Handwerk aus. Er heiratete dann eine Bauerntochter – und übersprang damit also eine Standesgrenze, was damals schon etwas ungewöhnlich war. Später wurde er Bahnwärter bei der Eisenbahn. Er folgte damit der wirtschaftlichen Entwicklung im frisch gegründeten Deutschen Reich, das damals einen Eisenbahn-Boom erlebte. Sehr beeindruckt hat mich eine Familie Büsemeyer, die 1839 in die USA auswanderte. Der Familienvater, der bis dahin in der Nähe von Tecklenburg von derLandwirtschaft gelebt hatte, wurde dort Schiffer und fuhr Holzfrachten auf dem Mississippi - bis das Geschäft im amerikanischen Bürgerkrieg bankrott ging.

  • Ist es nicht langweilig, stundenlang in Archiven alte Schriften zu lesen?

  • 💬

    Klar, es kann manchmal viel Ausdauer erfordern. Manchmal muss ich einige 100 Einträge im Kirchenbuch lesen, bis ich den gefunden habe, den ich suche. Ich musste mich anfangs natürlich auch in die alten Schriften einfuchsen und auch die Bedeutung von heute unbekannten Begriffen lernen: Was ist ein Leibzüchter oder ein Backhäuser? Oder: Wann war denn wohl der Donnerstag nach dem Sonntag Oculi im Jahr 1683, an dem das gesuchte Kind geboren wurde? Bisweilen kann man etwas über die Persönlichkeit des Schreibers erahnen, wenn er sich wohl langweilte und am Seitenrand Strichmännchen hinterlassen hat.

  • Welche Quelle finden Sie besonders interessant?

  • 💬

    Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts gab es fast ausschließlich hörige Bauern. Das war eine abgemilderte Form der Leibeigenschaft: Sie bewirtschafteten den Hof und vererbten ihn auch – aber dafür mussten sie Abgaben und Dienste an den Obereigentümer leisten. Darüber gibt es genaue Listen, die meist in den Staatsarchiven zu finden sind. Auch an den Pfarrer und den Küster musste jeder Hof etwas abgeben: Neben Geldzahlungen musste etwa zu Weihnachten eine Mettwurst oder ein halber Schweinskopf geliefert werden. Oder der Herr Pfarrer bekam im Winter eine Holzfuhre aus dem Wald. An solchen Listen lässt sich die soziale Schichtung erkennen.

Veröffentlicht: 18.04.2022 / Autorin: Alena Brandt