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Ein schwarzes Loch gleich um die Ecke - Werden wir bald verschluckt?

Sie sind tief schwarz und extrem anziehend: Schwarze Löcher. Astronomen haben jetzt das bislang erdnächste schwarzer Loch entdeckt. Hier erfährst du, was das bedeutet - und wie sie entstehen.
Schwarzes Loch

Das Wichtigste zu schwarzen Löchern

  • Lange Zeit existierten sie nur in den Köpfen theoretischer Physiker. Erst 2015 kam der Durchbruch. Es gelang Gravitationswellen zu messen. Seitdem ist klar: Es gibt sie wirklich.

  • Ein schwarzes Loch ist in Wahrheit gar kein Loch, sondern ein Ort im Universum, an dem eine extrem hohe Gravitationskraft (Anziehungskraft) herrscht.

  • Schwarze Löcher entstehen zum Beispiel, wenn ein Stern verglüht: Geht ihm nach ein paar Millionen Jahren der Brennstoff aus, verliert er an Strahlkraft. Innerhalb von Millisekunden kollabiert der verglühende Stern und zieht sich zusammen.

  • Die Gravitationskraft ist dort so stark, dass nichts die Umgebung der Masse verlassen kann - nicht einmal Licht. Deswegen die Bezeichnung "schwarz". Alles, was sich innerhalb des sogenannten "Ereignishorizont" befindet, wird vom Sog des schwarzen Lochs zerrissen und "geschluckt".

  • Astronomen haben am Südhimmel das bisher erdnächste schwarze Loch entdeckt. Es ist nur rund 1.000 Lichtjahre von uns entfernt und wird von 2 Sternen umkreist. Die kann man sogar mit dem bloßen Auge sehen!

Werden wir also bald von dem schwarzen Loch verschluckt?

Erstmal etwas zur Beruhigung: Dass wir verschluckt werden ist extrem unwahrscheinlich. 1.000 Lichtjahre ist schon ein Stück. Allein ein Lichtjahr sind 9,460 Billionen (!) Kilometer. Außerdem sind die meisten schwarzen Löcher viel zu klein, um der Erde gefährlich zu werden.

Zurück zu den Entdeckern: Das Team aus Garching in Bayern hat ursprünglich so genannte Doppelsterne untersucht. Dabei fanden die Astronomen einen dritten Himmelskörper. Einer der beiden Sterne umkreiste alle 40 Tage ein geheimnisvolles, unsichtbares Objekt. Für die Forscher war die Sache schnell klar: "Ein unsichtbares Objekt mit einer Masse, die mindestens viermal so groß ist wie die der Sonne, kann nur ein Schwarzes Loch sein".

Dank der vergleichsweise geringen Entfernung zur Erde, kann man die beiden "Begleitsterne" in dunklen Nächten sogar mit dem bloßen Auge erkennen.

In unserer Milchstraße sind bisher übrigens nur einige Dutzend Schwarze Löcher entdeckt worden. Die Forscher hoffen, dass sie nun noch mehr und nähere Schwarze Löcher in unserer Galaxie finden. Dann sind die Fotos der geheimnisvollen Himmelskörper in Zukunft vielleicht sogar noch spektakulärer als unser Titelbild.

Du willst mehr über Gravitationswellen erfahren? Schau dieses Video:

Zeitreisen mithilfe von schwarzen Löchern?

  • 🌌

    Während man in Science-Fiction-Filmen wie "Zurück in die Zukunft", "Interstellar" oder "Ad Astra" von Zeitreisen noch träumt, ist unter Physikern schon seit Einstein bekannt, dass Zeitreisen in die Zukunft zumindest theoretisch auf jeden Fall möglich sind. Praktisch fehlt dazu allerdings die nötige Technologie.

  • 🕳

    Schwarze Löcher spielen in den theoretischen Gedankenexperimenten zu Zeitreisen in die Zukunft insofern eine Rolle, da sie laut Einsteins Relativitätstheorie auf Grund ihrer hohen Gravitation die Raumzeit dehnen. Je mehr Gravitation, desto langsamer vergeht die Zeit. Innerhalb eines schwarzen Lochs steht die Zeit fast still.

  • 🚀

    Würde ein Raumschiff mit Lichtgeschwindigkeit um ein schwarzes Loch fliegen, verginge die Zeit für die Astronauten an Board nur halb so schnell wie auf der Erde. Kämen sie nach 5 Jahren im All zurück, wären auf der Erde schon 10 Jahre vergangen. Willkommen in der Zukunft!

Wie macht man eigentlich ein Foto von einem schwarzen Loch? Katie Bouman war dabei!

Veröffentlicht: 06.05.2020 / Autor: Anna Ullrich