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Corona-Konjunkturpaket: Ab wann es gilt und was für dich drin ist

Gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise hat die Bundesregierung ein umfangreiches Corona-Konjunkturpaket geschnürt. Was darin für dich enthalten ist, erfährst du hier.  

Das wurde im Corona-Konjunkturpaket beschlossen

Nach den bisherigen Hilfspaketen in Deutschland und Europa hat die Bundesregierung ein weiteres riesiges Konjunkturpaket beschlossen. Damit soll die Wirtschaft wieder anrollen und Arbeitsplätze gesichert werden. In einer Sondersitzung am 12. Juni hat das Kabinett die ersten wichtigen Maßnahmen verabschiedet, zum Beispiel die befristete Absenkung der Mehrwertsteuer oder einen Zuschlag auf das Kindergeld. Mehr dazu erfährst du weiter unten.

Um die dafür geplanten 130 Milliarden Euro zu bezahlen, müssen neue Schulden gemacht werden. Zum Vergleich: Der gesamte Bundeshaushalt belief sich im Jahr 2019 auf rund 350 Milliarden Euro. Die Bundesregierung und viele Finanzexperten sind sich aber sicher: Die Maßnahmen sind in der Corona-Krise notwendig.

Angela Merkel Olaf Scholz


Bundesfinanzminister Olaf Scholz will "mit Wumms aus der Krise". Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht dafür in dem Paket einen wichtigen "Grundstein".
© picture alliance/AP-Images

Wie hilft dir das? Das bedeutet das Corona-Konjunkturpaket für …

🛍 … dein Shopping

Einkäufe im Supermarkt, Möbelhaus oder Elektromarkt werden für ein halbes Jahr billiger werden. In der Zeit vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020 sinkt der Mehrwertsteuersatz von 19 auf 16 Prozent. Der ermäßigte Satz, der für viele Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs gilt, wird von 7 auf 5 Prozent reduziert. Beim Lebensmitteleinkauf dürfte der Unterschied oft nur ein paar Cent ausmachen. Mehr bringt er bei großen Anschaffungen wie einer Waschmaschine - vorausgesetzt man kann sie sich gerade leisten.

Den Bund kostet das zunächst rund 20 Milliarden Euro. Du kannst dadurch demnächst günstiger einkaufen. Einzige Voraussetzung: Händler nutzen die Mehrwertsteuerabsenkung nicht gleichzeitig für Preissteigerungen.

Damit die neue Mehrwertsteuer ab 1. Juli gelten kann, muss das Gesetz im Eilverfahren beschlossen werden. Das soll in Sondersitzungen in Bundestag und Bundesrat am 29. Juni passieren.

 

👪 … deine Familie

Für jedes kindergeldberechtigte Kind erhalten Eltern einmalig zusätzliche 300 Euro. Das kostet den Staat etwa 4,3 Milliarden Euro. Der Zuschuss wird bei der Einkommensteuer zwar mit den Kinderfreibeträgen verrechnet, aber nicht auf die Grundsicherung angerechnet. Dadurch profitieren Geringverdiener stärker davon als Vielverdiener. Je höher das Einkommen der Eltern, desto weniger bleibt nach der Steuererklärung von der Extrazahlung übrig.

Außerdem wichtig für bedürftige Alleinerziehende: Für 2 Jahre wird der Entlastungsbetrag von 1.908 Euro auf 4.000 Euro fast verdoppelt.

Kindertagesstätten, Ganztagsschulen und Co. sollen für Erweiterungen, Um- oder Neubauten darüber hinaus insgesamt rund 3 Milliarden Euro erhalten.

 

🔌 … deine Stromversorgung

Für jede Kilowattstunde (kWh) Strom bezahlst du auch einen Anteil zur Förderung erneuerbarer Energien. Das ist die sogenannte EEG-Umlage.

Sie ist seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000 stark angestiegen: Betrug die EEG-Umlage im Jahr 2010 etwa noch rund 2 Cent pro Kilowattstunde, liegt sie im Jahr 2020 bereits bei fast 7 Cent pro Kilowattstunde – Tendenz weiter steigend.

Durch Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt soll dieser Trend gestoppt werden. Im Jahr 2021 soll die EEG-Umlage auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde und 2022 auf 6 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt werden.

 

🚗 … dein neues Auto

Für einen neuen Benziner oder Diesel kriegst du kein Extrageld. Zwar kannst du auch hier von der verringerten Mehrwertsteuer profitieren, eine gesonderte Abwrackprämie gibt es aber nicht.

Kaufst du dir hingegen ein E-Auto, winkt dir dank der Umweltprämie eine finanzielle Unterstützung von bis zu 6.000 Euro. Daneben locken Hersteller mit zusätzlichen Förderungen. Auch Ladesäulen sollen durch weitere 2,5 Milliarden Euro weiter ausgebaut werden.

 

🚌 … deine Fortbewegung im ÖPNV

Neben einer Finanzspritze für die Deutsche Bahn in Höhe von 5 Milliarden Euro sind auch Unterstützungen für den weiteren Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) geplant.

In der Coronakrise sind die Fahrgastzahlen zum Teil nahezu komplett eingebrochen. Für ein weiterhin funktionierendes Verkehrsnetz im ÖPNV stellt die Bundesregierung daher rund 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung.

 

💃 … deine Freizeit- und Reisemöglichkeiten

Besonders belastete Betriebe wie Reisebüros, Restaurants, Clubs, Schausteller, aber auch Jugendherbergen sollen im Sommer Extra-Geld vom Staat bekommen. Erstattet wird ein Teil der Betriebskosten, insgesamt plant die Bundesregierung dafür 25 Milliarden Euro ein.

Außerdem sind mehrere steuerliche Erleichterungen geplant. Dadurch können Betriebe krisenbedingte Verluste besser mit Gewinnen aus dem Vorjahr verrechnen - das soll die Liquidität stärken. Damit Unternehmen gerade jetzt wieder investieren, will die Koalition Abschreibungsregeln verbessern. Durch die Überbrückungshilfe soll kleinen und mittelständischen Betrieben die Pleite erspart bleiben.

 

👩‍🔬 … unsere Zukunft

Satte 50 Milliarden Euro des Konjunkturpakets fließen in ein Zukunftsprogramm zum Klimaschutz und zur Weiterentwicklung innovativer Technologien wie Quantencomputer, Künstliche Intelligenz und Wasserstoffenergie.

750 Millionen Euro sind etwa für die Impfstoffentwicklung vorgesehen. Auch sollen 4 Milliarden Euro in den öffentlichen Gesundheitsdienst fließen, zum Beispiel in die Digitalisierung von Ämtern.

Veröffentlicht: 12.06.2020 / Autor: Alexander Duebbert