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Cannabis in Deutschland: Als Medizin legal, an der Börse hoch gehandelt

Cannabis gibt's in Deutschland mittlerweile auf Rezept. Aber was wirkt da überhaupt? Und: Wusstest du, dass du in Hanf-Unternehmen investieren kannst?

Das Wichtigste zum Thema Cannabis in Deutschland

  • Seit März 2017 gibt's Cannabis in Deutschland auf Rezept. Menschen mit einer schweren Krankheit (beispielsweise bei Krebs, Aids, Multiple Sklerose oder Schmerzpatienten) können bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf eine solche Therapie stellen.

  • Weltweit ist medizinisches Cannabis in über 25 Ländern und großen Teilen der USA legal. Komplett legal sind Marihuana und Co. in Uruguay, Kanada und einigen amerikanischen Bundesstaaten. Der Anbau der Pflanze ist in Südafrika und Peru erlaubt, in Spanien und den Niederlanden wird der Verkauf und Konsum in privaten Clubs oder Coffeshops geduldet.

  • Weltweit entstanden in den letzten Jahren Cannabis-Unternehmen, die an der Börse Milliarden einsammelten. Jetzt gibt es auch den ersten Cannabis-Aktien-Fonds in Deutschland.

  • In Deutschland sprießen Hanf-Shops nur so aus dem Boden. Es werden Hanf-Produkte wie Kosmetik, Kapseln, Gummibärchen, Kaugummi und vieles mehr verkauft - oft auch CBD-Gras. Das enthält in der Regel unter 0,2 Prozent THC und soll daher keine berauschende Wirkung.

  • Achtung: Laut Betäubungsmittelgesetz ist es in Deutschland verboten, Drogen anzubauen, mit ihnen zu handeln, sie zu kaufen oder zu besitzen. Darunter fallen auch Cannabis-Produkte mit berauschender Wirkung.

THC, CBD - und noch viel mehr: Was wirkt wie in Cannabis?

Die Auflistung der Inhaltsstoffe ist nicht vollständig

Risiken und Nebenwirkungen von Cannabis

Der Cannabiskonsum kann schwerwiegende Probleme verursachen. Es kommt darauf an, wer, wie oft und in welchen Situationen konsumiert. Jugendliche und Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen sind höheren Risiken ausgesetzt.

Suchtforscher warnen zudem, dass die Wirkung von Cannabis immer heftiger wird - weil der THC-Gehalt bei Marihuana oder Haschisch immer weiter hochgezüchtet wird. Lag er ohne Züchtung vor einigen Jahrzehnten noch bei einem Prozent sind heute sogar Spitzen von 50 Prozent möglich.

Dadurch wird nicht nur der Rausch immer heftiger, sondern auch die Gefahren, zum Beispiel an einer Psychose zu erkranken. Aus einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO geht zudem hervor, dass Cannabis eine Abhängigkeit verursachen kann.

Die Börse im Rausch: Was hat es mit Cannabis-Aktien auf sich?

  • 🤑

    2018 legalisierte Kanada den Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis und hat damit einen Run auf Cannabis-Aktien ausgelöst. In Europa erlauben mittlerweile über zwei Dutzend Staaten medizinisches Cannabis. Experten erwarten, dass der europäische Marihuana-Markt bald milliardenschwer sein wird.

  • 📈

    Um schnell an Kapital zu kommen, drängen viele junge Hanf-Unternehmen an die Börse. Nach einem Boom brachen viele Aktien im letzten Jahr aber ein. Mittlerweile ist auch die Fondsindustrie aufgesprungen. Seit Mitte Januar 2020 gibt es in Deutschland einen Index-Fonds (ETF), bei dem Anleger in verschiedene Cannabis-Aktien investieren können.

  • 💊

    Es gibt verschiedene Arten von Cannabis-Unternehmen, in die investiert werden kann: Unternehmen, die Marihuana anbauen, Unternehmen, die verschreibungspflichtige Medikamente auf Grundlage von Inhaltsstoffen von Cannabis entwickeln und Anbieter von Nebenprodukten und Dienstleistungen.

  • 📉

    Nichts für schwache Nerven: Cannabis-Aktien gelten als sehr risikoreich, aber auch renditestark. Weil es sich um eine junge Branche handelt, ist unsicher, ob sich die Hoffnungen auf eine langfristige Expansion erfüllen und die Unternehmen es schaffen, in die hohen Bewertungen hineinzuwachsen.

Mehr als nur Dampfplauderei? Cannabis-Mythen im Check

  • 🌱

    Wird man high, wenn man Hanfsamen isst? Nein. Denn in den Samen steckt nicht die psychoaktive Substanz der Hanfpflanze. Sie befindet sich in Blüten und Blättern.

  • Tod durch Überdosis Cannabis? Eigentlich unmöglich. Dazu müsste man 30.000 Joints in 15 Minuten rauchen, wie die amerikanische Drogenvollzugsbehörde errechnet haben will.

  • Macht Cannabis schon beim ersten Zug high? Ganz so schnell geht es nicht, aber fast: Schon nach wenigen Minuten entfaltet Cannabis seine Wirkung. Nach wenigen Stunden lässt der Rausch nach.

  • 🇮🇹

    Cannabis is in the air: Italienische Wissenschaftler haben im Winter 2012 Spuren von Cannabis in der Luft nachgewiesen. Die höchste Konzentration gab es demnach am Kolosseum in Rom – war das nur Zufall?

  • Wurde 2Pacs Asche geraucht? Das zumindest behaupten "The Outlaws" in einem Video-Interview mit "VladTV". Rap-Legende 2Pac habe sie darum gebeten, seine Asche nach seinem Tod zu rauchen. Diese Geschichte zu glauben oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen …

  • Entspannt ins Jenseits: Archäologen fanden in über 2.500 Jahre alten Gräbern in Zentralasien Cannabisblüten als Grabbeigaben.

  • 📅

    Der Code aller Kiffer: 420. Am 20. April wird auch der Kiffertag begangen. Angeblich soll der Code entstanden sein, weil sich eine Gruppe Schüler immer nachmittags um 20 nach 4 zum Kiffen traf.

  • 🏥

    Eine aktuelle Studie aus Colorado bewies: Regelmäßige Cannabis-Konsumenten brauchen bei einer OP etwa die 3-fache Menge an Narkosemittel, um nicht währenddessen aufzuwachen.

  • 🇺🇲

    Bekannter Cannabis-Fan: Der erste Präsident der USA, George Washington, baute Nutzhanf an und beschrieb seine Leidenschaft zur Pflanze in vielen Briefen. Es wird vermutet, dass Washington Hanf auch rauchte, um seine Zahnschmerzen zu lindern.

Veröffentlicht: 15.01.2020 / Autor: Christian Aichner

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