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Z-Symbol in Deutschland

Z-Symbol: Welche Bedeutung hat der Buchstabe im Ukraine-Krieg?

Auf vielen russischen Militär-Fahrzeugen, Uniformen und Propaganda-Maßnahmen ist aktuell der Buchstabe "Z" zu lesen. Während die russischen Staatsmedien das Symbol zeigen, haben es mehrere deutsche Bundesländer verboten. Was dahinter steckt, erfährst du hier.
Z-Symbol in Deutschland

Woher kommt das Z-Symbol und wofür steht es?

  • Im Russischen wird das kyrillische Alphabet verwendet. Den Buchstaben "Z" gibt es dort nicht. Das "Z" stammt aus dem lateinischen Alphabet, womit unter anderem wir im Deutschen schreiben. Meist dient "Z" der Umschrift vom kyrillischen ins lateinische Alphabet. Es entspricht dem kyrillischen Buchstaben "З", der wie ein weiches "S" ausgesprochen wird - vergleichbar mit dem Anfangs-Laut von "sofort".

  • In Wladimir Putins Krieg gegen die Ukraine entwickelt sich der Buchstabe "Z" scheinbar zu einem Symbol für die Unterstützung der russischen Regierung und Armee.

  • Warum ausgerechnet das "Z" dafür herhalten muss, ist unter Fachleuten noch umstritten. Es kursieren verschiedene Spekulationen über die ursprüngliche Bedeutung des Symbols.

  • Anfangs hielten Beobachter:innen das "Z" für eine "2", die für den 22.02.2022 stehe. An diesem Tag unterschrieb Putin ein Abkommen mit den selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine.

  • Andere vermuten hinter dem Buchstaben "Z" ein Zeichen zur Navigation. Demnach könnte das "Z" als Abkürzung für das russische Wort "Zapad" (Westen) stehen, wohin militärische Fahrzeuge vorrücken sollen.

  • Manche sehen eine Andeutung auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Der Anfangsbuchstabe seines Familiennamens wird teils vom Kyrillischen (Зеленський) mit einem "Z" umgeschrieben: Zelenskyj.

  • Einige sehen in dem Z-Symbol sogar ein halbes Hakenkreuz, das Zeichen des Nationalsozialismus.

  • Darin läge ein weiterer Widerspruch in Putins Propaganda. Denn: Laut dem russischen Präsidenten ist das Ziel seiner "militärischen Spezialoperation" eine "Entnazifizierung" der Ukraine - deren demokratisch gewählter Präsident Jude ist.

Das mächtige Umfeld von Wladimir Putin

Das mächtige Umfeld von Wladimir Putin

Russlands Präsident besitzt ein [Netzwerk aus Freund:innen und Verwandten](https://www.galileo.tv/life/die-oligarchen-russlands-maechtige-elite/), das ihm den Rücken freihält. Ein Einblick in den "Putin-Clan" aus der Zeit vor Putins Krieg gegen die Ukraine.

Z-Symbol auf Panzern und in Staatsmedien Russlands

Zwar ist der genaue Ursprung zur Verwendung des "Z" noch nicht zweifelsfrei geklärt. Die Beschriftung hat aber einen militärischen Zweck.

Als Zeichen auf russischen Militär-Fahrzeugen dient es der Unterscheidung von russischer und ukrainischer Ausrüstung. Die Ausstattung der beiden Armeen ist teils sehr ähnlich, weil sie noch aus Zeiten der ehemaligen Sowjetunion stammt.

Panzer mit Z-Symbol


Das Foto zeigt einen Panzer mit Z-Symbol in der selbsternannten Volksrepublik Luhansk, die Russlands Parlament als unabhängig anerkannt hat. Es wurde von der russischen Staatsagentur TASS veröffentlicht.
© picture alliance/dpa/TASS | Alexander Reka

 

Inzwischen haben sich russische Behörden und Staatsmedien den Buchstaben zu Nutze gemacht. Sie verwenden es als Symbol für Kampfrufe wie "Za Naschich" (Für die Unsrigen), "Za Ruskij Mir" (Für den russischen Frieden), "Za Pobedu" (Für den Sieg) und "Za pravdu" (Für die Wahrheit).

Z-Symbol in Krasnodar


Auf einem von der russischen Staatsagentur TASS veröffentlichten Bild ist das Z-Symbol als Teil der Kampfrufe "Za Naschich" (Für die Unsrigen) und "Za Ruskij Mir" (Für den russischen Frieden) auf einer Werbetafel in der russischen Stadt Krasnodar zu sehen.
© picture alliance/dpa/TASS | Roman Sokolov

 

Auch wird das Z-Symbol als generelles Zeichen der Zustimmung für Präsident Wladimir Putin und dessen Politik gebraucht. In der vom Kreml zensierten russischen Presse heißt Putins Krieg gegen die Ukraine bloß "militärische Spezialoperation". Abweichende Darstellungen können bis zu 15 Jahre Haft nach sich ziehen.

Z-Symbol im Donbass


Auf einer Plakatwand im Donbass, wo auch die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk liegen, soll laut dieses von der russischen Staatsagentur TASS veröffentlichten Bildes das Z-Symbol mit einem Schriftzug zu sehen sein, der ins Deutsche übersetzt "Donbass unterstützt den Präsidenten" bedeutet.
© picture alliance/dpa/TASS | Valentin Sprinchak

 

Geht es nach den Angaben russischer Staatsmedien, ist das Z-Symbol auch in der russischen Bevölkerung verbreitet. Scheinbar prangt das Zeichen auch auf Autos sowie Klamotten und ist in sozialen Medien geläufig.

Z-Symbol in Wolgograd


Die russische Staatsagentur TASS veröffentlichte auch dieses Bild von einem Auto im russischen Wolgograd mit Z-Symbol und dem Schriftzug "Für die Unsrigen".
© picture alliance/dpa/TASS | Dmitry Rogulin

 

Selbst auf der ukrainischen Halbinsel Krim, die sich der Kreml im Jahr 2014 völkerrechtswidrig aneignete, bringen Bürgerinnen und Bürger angeblich ihre Akzeptanz zu Putins Angriffskrieg zum Ausdruck.

Z-Symbol auf der Krim


Ein weiteres von der russischen Staatsagentur TASS veröffentlichtes Bild zeigt eine Frau auf der völkerrechtswidrig annektierten Krim, die sich das Z-Symbol in Russlands Nationalfarben als Zeichen der Zustimmung zu Putins "Spezialoperation" aufgemalt haben soll.
© picture alliance/dpa/TASS | Sergei Malgavko

Verbote in Deutschland und Europa

In Deutschland gehen mehrere Bundesländer gegen die Verwendung des Z-Symbols zu Propagandazwecken vor. In Niedersachsen, Bayern und Berlin ist es strafbar, das Zeichen öffentlich - also beispielsweise auf Demonstrationen - zur Schau zu stellen. In Sachsen-Anhalt, Hamburg und Nordrhein-Westfalen wurden ebenfalls schon Ermittlungsverfahren eingeleitet. Bei einem Verstoß drohen Geldstrafen oder gar eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren.

Grundlage für das Verbot ist der Paragraf 140 Nummer 2 des Strafgesetzbuches. Demnach kann belangt werden, wer Straftaten wie Angriffskriege und Kriegsverbrechen öffentlich gutheißt oder verherrlicht und somit den allgemeinen Frieden stört. Auch der Paragraf 13 des Völkerstrafgesetzbuches verurteilt "Verbrechen der Aggression" - sprich, Angriffskriege - unter Strafe.

 

Verbote in anderen europäischen Ländern

Neben den deutschen Bundesländern gehen überwiegend osteuropäische Staaten rechtlich gegen das "Z" vor. So hat Tschechien die Bedeutung des Zeichens mit der des Hakenkreuzes gleichgesetzt. Auch in Lettland, Litauen und Estland wird das Schriftzeichen wie nationalsozialistische und kommunistische Symbole interpretiert und als solches in der Öffentlichkeit verboten. In Kasachstan, Kirgisistan und Bulgarien darf das Z-Symbol nicht mehr auf Fahrzeugen angebracht werden.

Veröffentlicht: 02.05.2022 / Autor: Galileo