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Evolution in Echtzeit - so clever passen sich Tiere ihrer Umwelt an

Feuerfressende Vögel, farbenfrohe Schnecken und Kojoten, die an roten Ampeln warten: Tiere passen sich blitzschnell menschlichen Lebensräumen an.
Dies tropische Amsel weicht ein Stück Hundefutter in einer Pfütze auf. So macht sie es essbar.

Das Wichtigste zum Thema anpassungsfähige Tiere

  • Verändert sich die Umwelt drastisch, dauert Evolution keine Jahrhunderte. Sie passiert gerade sprunghaft - und du kannst dabei zusehen.

  • Wir Menschen bauen Städte, roden Wälder und fischen - das alles verändert die Lebensbedingungen vieler Tiere.

  • In Indien klauen Vögel Kerzen aus Tempeln. Sie haben gelernt, den Docht aus Butter zu futtern.

  • Biologen nennen sowas innovatives Verhalten. Es steht für Intelligenz.

  • Die Offenheit für Küchen-Experimente senkt bei den Vögeln das Risiko auszusterben, wie eine aktuelle Studie zeigt.

  • Auch Kojoten, Schnecken und Heuschrecken sind schlaue Überlebenskünstler. Wir stellen dir ihre Anpassungs-Tricks vor.

Auf der Suche nach neuer Nahrung: Von Feuerdieben, Zuckerschnäbeln und Softies

Wer sich gut anpassen kann, sichert sein Überleben! Ein Forscher-Team um Louis Lefebvre aus Montreal/Kanada wälzte über 200 wissenschaftliche Journale auf der Suche nach Berichten über clevere Vögel. Hier stellen wir 3 gefiederte Einsteins vor:

  • In Indien werden Wanderbaumelstern zu Feuervögeln. Die Tiere stehlen brennende Kerzen aus Tempeln. Indem sie den Kopf kräftig schütteln, reißen sie die in Butter getauchten Dochte heraus und schlucken sie herunter. Guten Appetit!
Wanderbaumelster sitzt auf einem Ast


Die Wanderbaumelster wird zum Prometheus und stiehlt Feuer aus Tempeln, um zu überleben.
© picture alliance / imageBROKER

 

  • Tropische Amseln weichen trockenes Hundefutter in Pfützen ein, bevor sie es schlucken.
Schlauer Vogel weicht Futter auf.


Diese tropische Amsel tunkt ein Stück Trockenfutter in Wasser. So macht sie es weich und essbar.
© Louis Lefebvre

 

  • Auf Barbados picken Dompfaffen die Essensreste der Touristen von Tischen. Besonders auf Süßes haben es die Vögel abgesehen. Sie fliegen mit Zuckertüten davon, reißen sie auf und verputzen den Inhalt. Da es kaum noch natürlichen Lebensraum auf der Insel gibt, ist dieses Nasch-Verhalten überlebenswichtig.
Ein Vogel hat sich Zucker geklaut.


Der karibische Dompfaff fliegt auf Süßes und öffnet Zuckertüten.
© Louis Lefebvre

Bock auf Chips! Diese Möwe geht einfach in den Laden und bedient sich

Evolution in Echtzeit: Clevere Tiere erobern die Stadt

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    Pizza, Pommes, Hot Dogs - Mäuse in New York verputzen massenhaft Fast Food. Natürliche Nahrung ist das nicht. Aber die Weißfußmaus hat sich angepasst und Gene entwickelt, die ihr beim Verdauen von Fettsäuren helfen. Über die Gene können Wissenschaftler sogar bestimmen, in welchem Teil der Stadt die Mäuse leben.

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    Von wegen Schneckentempo! Evolution passiert bei Bänderschnecken blitzschnell. An der Farbe des Gehäuses kannst du ablesen, wo sie heimisch sind. Leben City-Schnecken zentrumsnah, tragen sie eher ein helles Gehäuse. In Stadtzentren ist es oft wärmer, und helle Schneckenhäuser heizen nicht so schnell auf. In Biotopen ist hingegen Schwarz angesagt.

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    Jetzt wird's unterirdisch! Moskitos in U-Bahn-Stationen haben sich an das Leben unter der Erde angepasst und neue Arten entwickelt. Die Underground-Moskitos verzichten auf Winterruhe, da es für sie keine Jahreszeiten gibt. Sie paaren sich auch nicht in Schwärmen und ernähren sich anders.

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    Leben Heuschrecken in der Nähe von Autobahnen, singen sie in einer höheren Frequenz, um den Lärm zu übertönen. Diese Eigenschaft geben sie an ihre Nachkommen weiter. Selbst, wenn diese als Jungtiere direkt umgesiedelt werden, singen sie weiterhin lauter als Artgenossen aus ruhigen Gegenden.

Kojoten warten auf grünes Licht an der Ampel und nutzen Zebrastreifen

Darwin lässt grüßen: Die Macht der Evolution kurz erklärt

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    Seit schätzungsweise 3,8 Milliarden Jahren gibt es Leben auf der Erde. Als erstes entstanden einfache Bakterien.

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    Der britische Naturforscher Charles Darwin (1809-1882) entwickelte die Evolutionstheorie. Er reiste dafür um die Welt. Seine Erkenntnisse beruhten auf Beobachtung und prägten ein neues Weltbild - von der Biologie bis zur Theologie.

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    Evolution heißt: Tiere und Pflanzen entwickeln sich kontinuierlich und passen sich der Umwelt an. Überlebens-Strategien vererben sie an Nachkommen weiter.

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    Der Mensch übt durch den Eingriff in die Umwelt einen hohen Selektions-Druck aus. Viele Arten sterben derzeit aus.

Veröffentlicht: 04.06.2020 / Autor: Alena Brandt