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Ruhig bleiben! Etwa 500.000-mal im Jahr bebt die Erde

Nicht nur politisch ist die Erde ein unruhiger Planet. Wie Erdbeben entstehen und welche Gebiete besonders gefährdet sind.

Das Wichtigste zum Thema Erdbeben

  • Jedes Jahr gibt es auf der Erde rund 500.000 Erdbeben. Die meisten davon merkst du gar nicht.

  • Bei einem Flachbeben entladen sich Spannungen im Gestein der Erdkruste oft mit ruckartigen Verschiebungen. Bei einem Tiefenbeben liegt das auslösende Zentrum bis zu 700 Kilometer tief im Erdmantel.

  • Der amerikanische Seismologe Charles Richter entwickelte 1935 seine Erdbeben-Mess-Skala, die bekannte Richter-Skala. Heute verwendet man vor allem die Momenten-Magnituden-Skala, entwickelt in den 1970er Jahren. Sie misst die Energiemenge, die bei einem Erdbeben freigesetzt wird.

  • Die Skala reicht von 0 bis maximal 10,6. Erst ab Stärke 3 spüren wir etwas. Das ist auch gut so, denn die Erde bebt bis zu dieser Stärke am Tag nahezu 10.000 Mal. Ab Stärke 9 ist das Beben nicht nur tausende Kilometer zu spüren, sondern sorgt in diesem Bereich auch für Zerstörungen.

  • Anders als Vulkanausbrüche lassen sich Erdbeben nicht genau vorhersagen. Es gibt aber bekannte Risiko-Gebiete. 90 Prozent aller Erdbeben ereignen sich in einem Bereich rund um den Pazifik, der als Ring of Fire bezeichnet wird.

Wie entstehen Erdbeben?

Plötzliche, ruckartige Bewegungen der Erdkruste erzeugen Erdbeben. Die Kruste setzt sich aus sieben großen und mehreren kleinen tektonischen Platten zusammen, die wie ein gigantisches Puzzle aussehen.

Die tektonischen Platten, auch Kontinentalplatten genannt, sind ständig in Bewegung. Sie "schwimmen" auf der heißen, flüssigen Schicht des unter der Erdkruste liegenden Erdmantels. Dabei verschieben sie sich einige Zentimeter pro Jahr.

© PeterHermesFurian, Getty Images

Normalerweise sind diese Bewegungen nicht zu merken. Aber wenn sich tektonische Platten beim Aufeinandertreffen ineinander "verhaken", "klemmen" oder "stecken bleiben", bauen sich Spannungen auf - bis plötzlich das Gestein bricht. Die Folge: Ein Erdbeben.

An den Plattengrenzen ist das Erdbeben-Risiko besonders hoch. Es gibt drei verschiedene Arten, wie Platten kollidieren und Erdbeben verursachen: Geologen sprechen von der Abschiebung (1), der Aufschiebung (2) und der Blattverschiebung (3). Die Bruchstellen zwischen zwei tektonischen Platten nennt man Verwerfungslinien.

© anuwat meereewee, Getty Images

Warten auf "The Big One"

Die Westküste der USA ist stark erdbebengefährdet. In Kalifornien treffen sich die Pazifische Platte und die Nordamerikanische Platte.

Die Grenze bildet die rund über 1.000 Kilometer lange San-Andreas-Verwerfung, die längs durch den US-Bundesstaat verläuft. Der Graben ist die bedeutendste von Hunderten tektonischen Verwerfungen in Kalifornien.

Im Jahr 1906 erschütterte ein schweres Erdbeben mit der geschätzten Stärke von 7,9 Nordkalifornien. Besonders betroffen: San Francisco. Dort und in der Umgebung kamen rund 3.000 Menschen ums Leben. Das Erdbeben wird als "The Big One" bezeichnet und gilt als eine der schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA.

© picture alliance / akg

Es wird wieder zu einem solchen Beben kommen. Da sind sich Geologen sicher. Die einzige Frage ist Zeitpunkt und genauer Ort.

Auch Los Angeles ist gefährdet. Die Stadt liegt auf der Pazifischen Platte, die Richtung Norden schiebt. Die Mega-City und San Francisco, das auf der Nordamerikanischen Platte liegt, rücken jedes Jahr mehrere Zentimeter aneinander heran.

Solange sich die Platten nicht "verhaken", ist alles gut. Wenn aber doch, bauen sich enorme Spannungen auf - es kommt zu einem weiteren "The Big One".

Wau! Wenn Tiere vor Erdbeben warnen

Tiere spüren Erdbeben oft früher als Menschen. In der chinesischen Stadt Haicheng machte man sich das 1975 zunutze: Weil ein Beben befürchtet wurden, wurden die Bürger aufgefordert, sich zu melden, wenn sich Tiere ungewöhnlich verhielten.

Anfang Februar 1975 meldeten sie besonders viele Vorfälle. Nach ein paar kleineren Beben ordneten die Verantwortlichen schließlich am 3. Februar die Evakuierung an. Wenige Stunden später traf ein Beben der Stärke 7,0 die Stadt und zerstörte zahlreiche Häuser. Dass nur vergleichsweise wenige Menschen starben, ist den Tieren zu verdanken.

Die verheerendsten Erdbeben seit 1900

  • 🇮🇩

    Am 26. Dezember 2004 löste ein Seebeben der Stärke 9,1 vor Sumatra, Indonesien im Indischen Ozean einen gewaltigen Tsunami aus, der über 200.000 Menschen in acht asiatischen Ländern den Tod brachte.

  • 🇯🇵

    An den Folgen des Erdbebens an der Pazifik-Küste vor der Tōhoku-Region, Japan am 11. März 2011 starben über 22.000 Menschen. Es hatte eine Stärke von 9,0.

  • 🇷🇺

    In Kamtschatka, Russland bebte am 4. November 1952 die Erde mit einer Stärke von Stärke 9,0. Die genaue Opferzahl ist unbekannt. Vom darauf folgenden Tsunami wurde eine Kleinstadt auf der benachbarten Insel Paramuschir vollständig zerstört.

  • 🇨🇳

    Am 16.12. 1920 kostete ein Erdbeben der Stärke 7,8 in Haiyuan, China, 200.000 Menschenleben.

  • 🇨🇳

    Am 28. Juli 1976 starben nach einem Beben der Stärke 7,5 in Tangshan, China 242.000 Menschen.

  • 🇹🇲

    Ein Beben der Stärke Stärke 7,3 am 5. Oktober 1948 in Aschgabat, Turkmenistan forderte etwa 110.000 Opfer.

  • 🇭🇹

    Ein Erdbeben mit der Stärke 7,0 bei Port-au-Prince, Haiti am 12. Januar 2010 tötete mehr als 200.000 Menschen und machte mehr als 1,5 Millionen Menschen obdachlos.

Risikozonen: Diese Städte sind besonders gefährdet*

  • Dehradun, Indien: Eine der ältesten Städte Indiens, die in die Ausläufer des Himalayas eingebettet ist. Über 500.000 Menschen leben hier. Risikofaktor: Die Indische Kontinentalplatte driftet hier nach Nordosten und trifft im Bereich des Himalaya auf die Eurasische Kontinentalplatte.

  • Padang, Indonesien: Die Hafenstadt hat über 800.000 Einwohner. Hier treffen die Australische und die Eurasische Platte aufeinander, was bereits bei den zahlreichen Sumatra-Erdbeben zu spüren war.

  • Kathmandu, Nepal: Die Gegend ist stark erdbebengefährdet, weil sich die indische Platte pro Jahr etwa 5 Zentimeter unter die eurasische Platte schiebt. Fast 9.000 Menschen starben hier bei einem schweren Erdbeben 2015.

  • Teheran, Iran: 8,6 Millionen Einwohner hat Irans Hauptstadt. Schon seit Jahrzehnten wird diskutiert, sie zu verlegen. An der Grenze vom Iran zum Irak schiebt sich die Arabische Platte mit 3,5 Zentimetern pro Jahr unter die Iranische Platte, die Teil der Eurasischen Platte ist.

  • Istanbul, Türkei: Rund 15 Millionen Menschen leben in der größten Metropole der Türkei - im Risiko-Gebiet. Direkt vor der Stadt, unter dem Marmara-Meer, verläuft nämlich die Nordanatolische Verwerfungszone. Hier haben sich die Anatolische Platte und die Eurasische Platte ineinander verhakt.

Quelle: Museum Mensch und Natur, München

Veröffentlicht: 14.01.2020 / Autor: Ischta Lehmann

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