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Zum Schutz von Tier und Umwelt: Brauchen wir eine Extra-Steuer auf Fleisch?

Experten fordern immer wieder eine Fleischsteuer - für mehr Tierwohl und mehr Umweltschutz. Welche Auswirkungen hätte die Extra-Abgabe auf die Tierhaltung? Wer müsste sie bezahlen? Und wem kommt sie zugute?

Das Wichtigste zum Thema Fleisch

  • Jeder Deutsche isst durchschnittlich 59,5 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Damit liegen wir deutlich über dem weltweiten Fleischkonsum von geschätzten 40 Kilo pro Kopf.

  • Dabei gilt: Je reicher ein Land, desto mehr Fleisch wird in der Regel konsumiert.

  • Bei den Preisen liegt Deutschland 5,9 Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Spitzenreiter sind Österreich mit 45,7 und Frankreich mit 30,7 Prozent über dem EU-Mittel.

  • 7,3 Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen gehen auf Kosten der Landwirtschaft. Der Einfluss vom Fleischkonsum auf den Klimaschutz ist also begrenzt.

  • Der Deutsche Tierschutzbund und einige Politiker fordern eine Steuer auf alle tierischen Produkte - entweder als Mehrwertsteuer-Erhöhung oder als eigene Steuer.

Diese Produkte wären betroffen

Das bedeutet eine Fleischsteuer für die Verbraucher

  • 💶

    Die Fleischsteuer müssten die Verbraucher bezahlen. In Supermärkten und Restaurants würden Fleisch und Fleischgerichte teurer werden.

  • 📈

    Hochpreisige Produkte würden durch eine Steuer nochmal deutlich teurer. Beispielrechnung: Wird eine Ein-Euro-Packung Hackfleisch mit 10 Prozent besteuert, kostet sie 1,10 Euro - eine 10-Euro-Packung einen ganzen Euro mehr.

  • 🛒

    Schon heute herrscht zwischen Discountern ein harter Preiskampf - es wäre daher möglich, dass die Ketten bei Fleischprodukten ihre Gewinnspanne weiter senken, um diese möglichst günstig zu verkaufen.

So wirkt sich eine Fleischsteuer auf Verbraucher mit wenig Geld aus

Kritiker bemängeln, eine Fleischsteuer würde vor allem Verbraucher mit geringem Einkommen hart treffen. Man solle daher über die Mehrwertsteuer einen Ausgleich schaffen.

Während der Mehrwertsteuersatz für tierische Produkte wie Milch von aktuell 5 auf 16 Prozent steigen würde, könnte auf Produkte wie Soja- und Hafermilch oder auch Obstsäfte künftig nur noch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz erhoben werden.

Obst und Gemüse, schon bisher nur mit 5 Prozent besteuert, könnte ganz von der Mehrwertsteuer befreit werden - zumindest wenn es biologisch angebaut wird.

Folgen der Fleischsteuer für die Landwirte

  • Betroffen wären vor allem Bio-Bauern. Denn der Preis für die meist schon teureren Bioprodukte würde durch eine Steuer verhältnismäßig stark steigen. Befürchtete Folge: Biofleisch wird weniger gekauft.

  • Ein Ausweg: Biofleisch fällt künftig unter den ermäßigten Mehrwertsteuersatz - oder wird ganz von der Mehrwertsteuer befreit. Gleichzeitig könnten mit den Einnahmen aus der Fleischsteuer speziell die Bio-Landwirte unterstützt werden.

  • Die Mehrheit der landwirtschaftlichen Betriebe arbeitet noch konventionell - nur 8,7 Prozent sind Bio-Betriebe. Deren Zahl könnte bei einer stärkeren Subventionierung deutlich steigen. Insbesondere wenn gleichzeitig die Nachfrage nach konventionell produziertem Fleisch sinkt.

  • Aktuell werden die EU-Subventionen in der Landwirtschaft nach dem Prinzip von Flächenprämien verteilt: Je mehr Hektar ein Landwirt hat, desto mehr Geld bekommt er aus Brüssel. EU-Politiker fordern eine stärkere Kopplung der Subventionen an Umwelt- und Tierschutz.

  • Auch sollten Ausschüttungen aus der Fleischsteuer an die Einhaltung nachhaltiger und umweltschonender Auflagen geknüpft werden.

Wie viel bringt eine Fleischsteuer ein - und wohin könnte sie fließen

  • 💸

    Durch die ermäßigte Mehrwertsteuer auf tierische Produkte entgehen dem Staat 5,2 Milliarden Euro jährlich - schätzte 2016 das Umweltbundesamt. Doch wie viel Geld der Staat durch eine Fleischsteuer wirklich einnehmen würde, ist unklar, weil sich das Essverhalten der Verbraucher stark ändern könnte.

  • 🛠

    Bei einer Mehrwertsteuer-Erhöhung auf tierische Produkte wären die Mehreinnahmen nicht zweckgebunden, könnten also auch in den Straßenbau fließen.

  • 🐄

    Ganz anders bei einer eigenen Steuer auf tierische Produkte: Dieses Geld wäre zweckgebunden und müsste unter anderem für bessere, artgerechte Tierhaltung verwendet werden.

Was hältst du von der Idee einer Fleischsteuer?

Auf diese Siegel kannst du beim Fleisch-Kauf jetzt schon achten

  • Haltungsform: Verschiedene Supermärkte haben ein 4-stufiges Kennzeichnungssystem eingeführt, von Stufe 1 (gesetzliche Mindestanforderungen) bis Stufe 4 (unter anderem Bio-Fleisch).

  • Initiative Tierwohl: Der Zusammenschluss von Handel, Fleisch- und Landwirtschaft stellt Anforderungen an die Tierhalter - allerdings liegen die Kriterien unter der Bio-Qualität.

  • Tierschutz-Label: Das Label umfasst eine Einstiegs- und eine Premiumstufe. Beide gehen über die gesetzlichen Mindeststandards hinaus.

  • Bio-Siegel: Das EU-Siegel für alle Bio-Lebensmittel, die in der Europäischen Union gehandelt werden.

  • Neuland: Kriterien für dieses Label ist eine besonders artgerechte Tierhaltung - allerdings wird hier keine Bio-Zertifizierung erreicht.

Veröffentlicht: 22.07.2020 / Autor: Johannes Huyer

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