Galileo WM CopyCreated with Sketch.
  1. Galileo WM CopyCreated with Sketch.Galileo
  2. Gesundheit
Drittimpfung gegen Corona

Dritte Impfung gegen Corona - Antworten auf die wichtigsten Fragen

Immer mehr Menschen erhalten eine Auffrischungs-Impfung gegen das Corona-Virus. Auch die Politik rät zum dritten Pieks. Warum ist der Booster nötig, für wen gilt die Empfehlung und mit welchen Impfstoffen wird aufgefrischt? Wir klären die wichtigsten Fragen. Im Clip: So funktioniert die Booster-Impfung.
Dritte Impfung gegen Corona - Antworten auf die wichtigsten Fragen
12

Das Wichtigste zum Thema Dritte Impfung

  • Auffrischungs-Impfungen oder auch Booster-Impfungen genannt, sind in Deutschland bereits möglich. Eine offizielle Empfehlung ist für alle ab 18 Jahren ausgesprochen, deren Impfung schon 6 Monate zurückliegt.

  • Israel hatte bereits im August damit begonnen und auch andere Länder wie Frankreich oder England haben schon mit dem dritten Pieks gestartet.

  • Aufgefrischt wird nur mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna.

  • Rund um den Impf-Booster gibt es noch viele Fragezeichen. Wir beantworten die Fragen, die uns die Galileo-User:innen auf Instagram stellten.

❓ Seit wann gibt es Booster-Impfungen in Deutschland?

  • Seit dem 7. Oktober liegt die Empfehlung für eine Auffrischung von der ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Menschen über 70 vor. Am 18. November wurde diese für alle ab 18 Jahren ausgeweitet.

  • In vielen Teilen Deutschlands wurde aber auch bereits vorher schon mit der Booster-Impfung begonnen.

  • Bisher bekamen rund 5,2 Millionen Menschen die dritte Impfdosis (Stand: 18. November). Das sind weniger, als bisher möglich, aber die Quote steigt erkennbar.

❓ Warum sind Dritt-Impfungen nötig?

  • Mit der Zeit lässt der Impfschutz nach. Das betreffe laut einem Entwurf des Gesundheitsministeriums zur Dritt-Impfung insbesondere bestimmte Personengruppen.

  • Daten aus Israel etwa zeigten, dass der Impfschutz vor allem bei Menschen über 60 Jahren und jenen mit einer geschwächten Immun-Antwort nach einer bestimmten Zeit (geschätzt wird etwa nach 4 bis 6 Monaten) nachlässt.

  • Israel gilt als Impf-Vorreiter: In dem Land wurden schon sehr früh sehr viele Menschen geimpft. Israelische Forscher:innen legten eine Studie vor, der zufolge ältere Menschen mit einer Auffrischung einen deutlich höheren Schutz vor einer Ansteckung und einem schweren Verlauf haben.

  • Eine britische Studie hatte außerdem ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit trotz Impfung zu erkranken, weiter zunimmt, je länger die Immunisierung zurückliegt.

Wann lässt der Impfschutz nach?

Impfschutz lässt je nach Impfstoff nach

Die Statistiken der Fallzahlen von Moderna und der Kreuzimpfung Astrazeneca mit mRNA-Impfstoff brechen früher ab, da offenbar nicht genug Daten von Geimpften für die Studie vorlagen. Sie lagen nach 4 bis 6 Monaten circa auf dem gleichen Niveau.

❓ Ist die Wirksamkeit einer dritten Impfung erwiesen?

  • Laut einer Studie des Impfstoff-Herstellers Biontech erhöht der dritte Pieks die Antikörper-Anzahl gegen den Wild-Typ um das 5- bis 8-fache.

  • Gegen die Beta-Variante erhöhen sich die Antikörper um das 15- bis 21-fache.

  • Gegen die Delta-Variante haben 3-mal Geimpfte der 18- bis 55-Jährigen das 5-Fache an Antikörpern, die 65- bis 85-Jährigen das 11-Fache.

So funktioniert eine Impfung

So funktioniert eine Impfung

Das Thema Impfen wird kontrovers diskutiert. Was passiert bei einer Impfung überhaupt im Körper? Wir schauen uns das Ganze genauer an.

❓ Für wen sind die Dritt-Impfungen gedacht?

  • Grundsätzlich können alle Menschen ab 12 Jahren den dritten Pieks erhalten. An genügend Impfdosen mangelt es aktuell nicht.

  • Die STIKO spricht sich für eine Auffrischung ab 18 Jahren aus.

  • Die vorherige Corona-Impfung soll bei der Booster-Impfung aber mindestens 6 Monate zurückliegen, im Einzelfall könnte sie laut STIKO auch schon nach 5 Monaten erfolgen.

  • Bei Älteren und kranken Menschen mit einem geschwächten Immunsystem lässt die Immun-Abwehr laut aktuellen Studien schneller nach. Deshalb gilt hier eine besondere Empfehlung für eine rasche Booster-Impfung.

❓ Wo bekommt man eine Dritt-Impfung?

  • Bisher gibt es noch keine große Impfkampagne wie im Frühjahr. Gezielte Einladungen sollen in einigen Bundesländern aber jetzt an Risikogruppen versendet werden.

  • Ähnlich wie bei den Erst- und Zweit-Impfungen sieht das Gesundheitsministerium die üblichen Impf-Möglichkeiten vor: Hausärzt:innen, Impfzentren, mobile Teams und Betriebsärzt:innen.

  • Der Großteil der deutschlandweit 400 Impfzentren ist allerdings bereits geschlossen. Diese sollen jetzt nach und nach reaktiviert werden.

  • Wo eine Booster-Impfung letztendlich möglich ist, unterscheidet sich je nach Bundesland.

❓ Was ist, wenn man schon mit AstraZeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurde?

  • Menschen, die mit einem Vektor-Impfstoff von AstraZeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurden, erhalten ebenfalls eine mRNA-Booster-Impfung.

  • Hintergrund ist, dass die Vektor-Impfstoffe weniger Schutz vor einer Infektion bieten als mRNA-Impfstoffe. Durch die Delta-Variante spitzt sich dieses Problem weiter zu.

  • Hinzu kommt, dass der Impfschutz von Johnson & Johnson laut Studien bereits nach 3 bis 5 Monaten abfällt.

  • Die mRNA-Impfstoffe sollen bei der Delta-Variante zu rund 96 Prozent gegen schwere Verläufe und Klinik-Aufenthalte schützen. Deshalb werden als Booster-Impfung nur mRNA-Impfstoffe verwendet.

  • Wer eine Kreuz-Impfung (einen Vektor- und einen mRNA-Impfstoff) erhalten hat, der sollte die Booster-Impfung wie alle anderen frühestens 6 Monate nach dem letzten Impftermin erhalten.

❓ Bekommt man einen digitalen Nachweis für die Booster-Impfung?

  • Wie bei der ersten und zweiten Impfung kann man sich einen digitalen Nachweis in der Apotheke abholen.

  • Grundsätzlich haben diese Impfzertifikate aber nur eine Gültigkeitsdauer von 12 Monaten - diese verlängert sich auch nicht automatisch durch den Booster.

  • Je nach beobachteter Wirkungsdauer soll dieser Zeitraum aber noch angepasst werden.

❓ Wie oft muss man die Impfung in Zukunft auffrischen - und werden die Impfstoffe an Mutationen angepasst?

  • Hierzu wird noch geforscht, deshalb kann die Frage noch nicht klar beantwortet werden. Die Hersteller Biontech und Moderna gehen aktuell von einem sicheren Impfschutz von mindestens 6 Monaten aus. Aufgrund fehlender Daten kann man längere Zeiträume noch nicht gut einschätzen.

  • Das Corona-Virus mutiert. Zwar schützen die Impfstoffe noch relativ gut gegen schwere Verläufe durch die Delta-Variante - aber der Schutz gegen zukünftige Mutationen ist ungewiss.

  • Die Befürchtung: Je mehr sich neue Virus-Varianten vom Wild-Typ entfernen, desto schlechter wirken die Impfstoffe. Aus diesem Grund gibt es jedes Jahr eine neue Grippe-Impfung.

  • Die gute Nachricht: Laut dem Paul-Ehrlich-Institut können die Impfstoffe innerhalb von 6 Wochen angepasst werden. Die Hersteller testen das bereits, um die Impfstoffe besser gegen neue Varianten zu rüsten.

  • Eine weitere Hoffnung: "Auf Grundlage der Evolutionsrate der harmlosen Corona-Erkältungsviren gehen wir davon aus, dass auch die Geschwindigkeit bei dem SARS-CoV-2 abnimmt - wenn das Infektionsgeschehen deutlich zurück geht", erklärt Virologe Prof. Jan Felix Drexler von der Charité in Berlin.

  • Manche Expert:innen halten in Zukunft eine jährliche Auffrischungsimpfung, ähnlich wie bei der Grippe, für wahrscheinlich.

  • Pfizer-Chef Albert Bourla sagte hierzu gegenüber dem US-Sender CNBC: "Ein wahrscheinliches Szenario ist, dass es die Notwendigkeit einer dritten Dosis geben wird, irgendwo zwischen 6 und 12 Monaten, und danach eine jährliche Neu-Impfung, aber all das muss noch bestätigt werden."

  • Auch der Charité-Virologe Christian Drosten geht von zukünftigen Auffrischungs-Impfungen nach einer gewissen Zeit aus.

❓ Ist ein Antikörpertest vor der Dritt-Impfung geplant?

  • Die STIKO empfiehlt keine generelle Untersuchung der Antikörper vor einer Booster-Impfung.

Gibt es Nebenwirkungen?

  • Erhöhte Nebenwirkungen, etwa durch zu viele Antikörper im Blut, gibt es nach jetzigem Kenntnisstand nicht.

  • Die derzeit verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass mögliche Nebenwirkungen ähnlich wie bei der Zweitimpfung ausfallen können.

  • Dazu gehören Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Schüttelfrost.

Was sagen die Gesundheitsbehörden zur Dritt-Impfung?

  • Die erste Empfehlung der STIKO galt Personen ab 70 Jahren sowie Immunschwachen und medizinischem Personal. Mittlerweile hat sich die Empfehlung auf alle Menschen ab 18 Jahren ausgeweitet.

  • Die Ausweitung diene dem Ziel, "Infektionswellen abzuschwächen und zusätzliche schwere Erkrankungs- und Todesfälle zu verhindern".

  • Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, fordert eine breite Nutzung der Booster-Impfungen.

Verwandte Themen

Immunsystem
Veröffentlicht: 17.11.2021 / Autorin: Carina Neumann-Mahlkau