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Sekte oder vorbildliche Christen - wer sind die Zeugen Jehovas?

Wollen wir über Gott reden? Die Zeugen Jehovas fallen oft durch ihre missionarische Tätigkeit auf. Seit 2006 gelten sie in Deutschland als anerkannte Religionsgemeinschaft.

Das Wichtigste zum Thema Zeugen Jehovas

  • Fundament ihres Glaubens ist die Bibel, bestehend aus dem Neuen und dem Alten Testament. Sie lehren dabei eine eigene Übersetzung der Bibel, die sogenannte "Neue-Welt-Übersetzung", die sonst von keiner anderen religiösen Gemeinschaft Anerkennung findet.

  • Ihre übersetzte Bibel betrachten die Zeugen Jehovas als allein gültige Wahrheit. Lehren wie die Evolutionstheorie, welche der Bibel widerspricht, lehnen sie ab.

  • Ihr allmächtiger Gott ist Jehova, der das Universum sowie das Leben erschuf. Sein Sohn in leiblicher Gestalt ist Jesus Christus.

  • Nicht selten bezeichnen Andersgläubige die Zeugen Jehovas als Sekte, was sie vehement ablehnen. Allerdings bezeichnen sie ihrerseits alle anderen christlichen Kirchen als "Sekten der Christenheit".

  • Zeugen Jehovas glauben nicht an eine unsterbliche Seele und einem damit verbundenen ewigen Leben. Stattdessen sollen 144.000 gottestreue Menschen unsterbliches Leben im Himmel an der Seite von Jesus Christus erhalten. Sie sollen nach einem Harmagedon die Geschicke der "treuen" Überlebenden auf der Erde lenken.

Seite aus "Der Wachturm"

20 Fakten, die du schon immer über die Zeugen Jehovas wissen wolltest, aber bisher nicht zu fragen wagtest

  • 🎄

    Zeugen Jehovas lehnen christliche Feiertage wie Weihnachten oder Ostern sowie Geburtstagsfeiern als heidnische Feste ab.

  • 🍽

    Das wichtigste Ereignis bei den Zeugen Jehovas ist einmal im Jahr das so genannte Abendmahl zum Gedenken an Jesus Christi.

  • 📖

    Die religiöse Zeitschrift "Der Wachturm" gibt es seit 1879, erscheint aktuell alle zwei Wochen in 353 Sprachen bei einer weltweiten Auflage von 83 Millionen pro Ausgabe - die höchste Auflage weltweit.

  • 📱

    Der Internetauftritt der Zeugen Jehovas ist in 985 Sprachen übersetzt.

  • 🗣

    Weltweit zählen die Zeugen Jehovas über 8,5 Millionen "Verkünder", davon über 166.000 in Deutschland.

  • 🤐

    Zeugen Jehovas ist der soziale Umgang mit ausgetretenen Zeugen Jehovas weitgehend untersagt. Wer aussteigt, verliert damit meist sein gesamtes soziales Umfeld. Ausgenommen von dieser Regel sind Familienmitglieder.

  • 👳‍♂️

    Zeugen Jehovas sollen keine Ehe mit "Andersgläubigen" schließen.

  • 💋

    Sex vor der Ehe - von Petting bis zum Geschlechtsverkehr - gilt als schweres Vergehen vor Gott und ist damit bei Zeugen Jehovas tabu. Dies ist in vielen Sekten beziehungsweise Glaubensgemeinschaften der Fall - unter anderem bei den "[Hare-Krishna] (https://www.galileo.tv/life/hare-krishna-sekte-oder-harmloser-kult/)".

  • 🌈

    Die Bibel verbietet den Zeugen Jehovas jede Form von Homosexualität.

  • 💞

    Eine Ehe gilt als heilig. Der einzige schriftgemäße Scheidungsgrund in der Bibel ist laut Zeugen Jehovas die "Hurerei" (sexuelle Unmoral).

  • 😇

    Ein Leitsatz der Zeugen Jehovas lautet: "Prüft in allem, was ihr tut, ob es Gott gefällt."

  • 🚬

    Tabak und Drogen - außer Alkohol in Maßen - stehen bei den Zeugen Jehovas unter Verbot.

  • 🧛‍♂️

    Zeugen Jehovas lehnen Bluttransfusionen ab, weil sie mit der Bibel nicht vereinbar sind.

  • Zeugen Jehovas dulden die Autorität des Staates, bleiben politisch aber immer neutral. Sie gehen nicht zur Wahl, demonstrieren nicht, bekleiden kein politisches Amt, meiden patriotische Handlungen und entsagen in jeder Hinsicht dem Militärdienst.

  • 🔐

    Zeugen Jehovas beklagen aktuell in 5 Ländern Inhaftierungen wegen ihres Glaubens: Russland, Singapur, Eritrea, Tadschikistan und Turkmenistan

  • Zeugen Jehovas lehnen das Kreuz als religiöses Götzensymbol ab. Nach ihrem Glauben richteten die Römer Jesus an einem Pfahl hin.

  • 👩‍🎓

    Zeugen Jehovas befürworten grundsätzlich Bildung, fürchten aber sehr um die Moral ihrer Schäfchen während der Studienzeit.

  • 🌋

    Zeugen Jehovas sagten bereits fünfmal das Ende der Welt voraus: 1878, 1881, 1914, 1918, 1925 und 1975. Als sich die Prophezeiung 1975 nicht erfüllte, verlor die Glaubensgemeinschaft wegen mangelnder Glaubwürdigkeit viele ihrer Missionare.

  • 🙏

    Ein Zeuge Jehovas ist immer ein aktives Mitglied seiner Glaubensgemeinschaft, passive Mitglieder sind nicht geduldet. Pro Monat opfert jeder Gläubige durchschnittlich 17 Stunden im Monat für die Missionierung an Haustüren oder öffentlichen Plätzen.

  • 🏛

    Die heiligen Stätten der Zeugen Jehovas für ihre Gottesdienste heißen Königreichssaal.

Zeugen Jehovas beim Missionieren

Kurz erzählt: die Geschichte der Zeugen Jehovas

Alles begann 1869 mit Charles Taze Russell aus Pittsburgh, Pennsylvania (USA). Er war von den Lehren seiner Kirche enttäuscht und verstand nicht, warum ein Gott der Liebe für die Sünder ewige Qualen im Höllenfeuer anordnen könne. Daraufhin begann er selbst, die Bibel zu studieren – zunächst allein, doch bald in einem gegründeten Bibelkreis.

 


Charles Taze Russell legte 1879 das Fundament für die Zeugen Jehovas
© picture alliance / akg-images

 

1879 veröffentliche Russell die erste Ausgabe seiner Zeitschrift "Zion's Watch Tower and Herald of Christ's Presence" – zu Deutsch: "Der Wachtturm verkündigt Jehovas Königreich". Nach dem Tod Russell's lenkte Joseph Franklin Rutherford ab 1917 die Geschicke der Bibelforscher. Unter seinem strengen Regime spalteten sich viele der Bibeltreuen ab, um eigene Bibelkreise zu gründen. Um sich von den Abtrünnigen zu distanzieren, benannte Rutherford seine Gruppe um in "Jehovas Zeugen".

In Deutschland erschien 1897 erstmals "Der Wachturm", 1903 eröffnete das erste deutsche Büro in Elberfeld (Wuppertal). Seit dem wuchs die Religionsgemeinschaft stetig an, bis 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Da Zeugen Jehovas sämtliche patriotischen Handlungen wie den Hitlergruß, Parteibeitritte sowie den Dienst an der Waffe ablehnen, sahen sie sich ähnlichen Verfolgungen ausgesetzt wie jüdische Bürger. Die Nazis inhaftierten sie in Konzentrationslagern, folterten und ermordeten sie mitunter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Zeugen Jehovas in Westdeutschland einen Neuanfang, während sie die DDR wegen "Boykotthetze" verbot. In anderen Ländern war die Situation noch heikler. Das sowjetische Regime etwa verfolgte Zeugen Jehovas und portierte sie reihenweise nach Sibirien. Bis heute gelten sie in Russland, wie in einigen anderen Ländern, als Sekte.

Veröffentlicht: 20.10.2019 / Autor: Andreas Ilmberger

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