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Bohrende Frage: Wie gefährlich ist Fracking?

Brennende Wasserhähne, verseuchtes Grundwasser: Fracking steht in der Kritik und ist in Deutschland verboten. Warum, erfährst du hier.
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Das Wichtigste zum Thema Fracking

  • Fracking kommt vom englischen "to fracture" (= aufbrechen). Es ist die Kurzform von Hydraulic Fracturing, also hydraulisches Aufbrechen.

  • Beim Fracking werden Erdgas oder Erdöl aus schwer zugänglichen Gesteinsschichten gewonnen, zum Beispiel Schiefer oder Ton.

  • Damit man an das sogenannte Schiefergas kommt, sind Bohrlöcher von bis zu 5.000 Metern Tiefe notwendig. Die führen auch durch Schichten, die Grundwasser leiten.

  • Ein Mix aus Wasser, Sand (oder Keramikkügelchen) und Chemikalien wird in die gashaltigen Gesteinsschichten gepumpt. Das Gemisch knackt die Speichergesteine auf und drückt das Gas heraus.

  • Gemeinsam mit dem kontaminierten Wasser gelangt das Gas zurück an die Erdoberfläche (Flowback).

  • Wegen der Risiken für Grundwasser und Böden ist Fracking äußerst umstritten.

Chemie-Cocktail: Darum ist Fracking so bedenklich

Damit das verwendete Gemisch homogen bleibt, setzen Gasunternehmen beim Fracking viele Chemikalien ein. Manche Berichte nennen ein paar Dutzend chemische Stoffe, einige sogar mehrere Hundert. Auch welche Substanzen für den Chemie-Cocktail genau zusammengerührt werden, wissen nur die Gasunternehmen selbst - die waren lange nicht verpflichtet, diese Infos zu veröffentlichen.

Der Mineralölkonzern "ExxonMobil" hat in Deutschland testweise gefrackt und freiwillig Angaben gemacht: Demnach besteht die Frack-Flüssigkeit zum Großteil aus Wasser und Sand (95,0 bis 99,8 %). Zusätzlich sind rund 30 – nicht näher genannte – Chemikalien enthalten. Das Gemisch sei aber weder giftig noch eine Gefahr für die Umwelt.

Das Umweltbundesamt (UBA) hat in einem Fracking-Gutachten im Jahr 2012 hingegen festgehalten: Bei einigen Proben seien sowohl gesundheitsschädliche und giftige als auch umweltgefährliche Frack-Flüssigkeiten nachgewiesen worden.

Alarmierende Ergebnisse, die Debatten und Demonstrationen auslösen. Weltweit gehen Menschen gegen Fracking auf die Straße: Wasser ist Leben! Kein Gift in unsere Erde! Don't frack my craic!

 

© picture alliance

Wer hat Fracking erfunden?

Das erste Mal gefrackt wurde 1949 in den USA. Erdöl- und Erdgasvorkommen sollten besser ausgebeutet werden. Die Konzerne pumpten Flüssigkeit über ein Bohrloch in die Sandsteinschichten, dadurch wurde fein verteiltes Gas aus den Schichten "herausgepresst". Das konventionelle Fracking ist ein Verfahren, das der traditionellen Erdgasförderung ähnelt.

 

 

Beim unkonventionellen Fracking dagegen werden Gasvorkommen aus schwer zugänglichen Speichergesteinen herausgelöst. Der Aufwand ist erheblich größer: mehr Wasser, mehr Druck, mehr Chemikalien. Ist von Fracking die Rede, ist meist diese Methode gemeint.

Von 2005 an revolutionierte das unkonventionelle Fracking den Erdgas- und Erdöl-Markt in den USA. Inzwischen aber verweisen Untersuchungen immer öfter auf die Folgen für Mensch und Umwelt. Das Verfahren ist daher in Deutschland seit 2017 weitgehend verboten.

Nachgefrackt: Gibt's solche Bohrungen auch in Deutschland?

  • 🚧

    Seit 1961 wurde in Deutschland rund 300 Mal gefrackt.

  • 🏭

    2008 hat der Mineralölkonzern "ExxonMobil" einen Fracking-Test in Niedersachsen durchgeführt – ohne tatsächlich Schiefergas zu fördern.

  • 👩‍🔬

    Im Februar 2017 trat eine Regelung in Kraft, die besagt: Bis 2021 sind vier Bohrungen zu Forschungszwecken möglich. Dann soll der Bundestag das Fracking-Verbot nochmals überprüfen.

  • 👷

    In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen vermutet man größere Mengen Schiefergas. Aber auch in anderen Bundesländern könnte es Erdgaslagerstätten geben.

  • 📊

    Experten schätzen das Schiefergas-Vorkommen in Deutschland auf 0,7 bis 2,3 Billionen Kubikmeter.

  • 🚿

    Pro Bohrung können beim Fracking bis zu 174.000 Kubikmeter Wasser notwendig sein. Das entspricht ungefähr dem täglichen Wasserverbrauch aller Münchner.

Veröffentlicht: 01.08.2019 / Autor: Alexander Duebbert