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Kolibris fliegen auch im Rückwärtsgang - und sind Profis beim Speed-Dating

Kolibris sind die absoluten Überflieger: Mit ihren Flugkünsten inspirieren die kleinsten Vögel der Welt sogar Forscher und Technik. Aber die Winzlinge haben noch mehr drauf. Wir verraten dir, wie sie ihre Strohhalm-Zunge einsetzen, Energie sparen und beim Speed-Dating punkten.
Ein Weißkehlberg-Juwel saugt den Nektar einer Blüte.

Das Wichtigste zum Thema Kolibris

  • Kolibris sind in Nord-, Süd- und Mittelamerika verbreitet. Von den mehr als 350 Arten leben etwa 130 in der Nähe des Äquators.

  • Die kleinsten Vögel der Welt messen mitsamt Schnabel und Schwanzfedern 5 bis 22 Zentimeter. Gewicht: zwischen 2 und 24 Gramm.

  • Für ihre schillernde Farbenpracht sorgen irisierende Federn. Mehrere Schichten mikroskopisch dünner Horn-Lamellen reflektieren das Licht, je nach Einfallswinkel entstehen unterschiedliche Farb-Effekte.

  • Mal kurz und gerade, mal lang und gebogen: Jede Kolibri-Art verfügt über einen speziellen Schnabel, der auf einen bestimmten Blütentyp abgestimmt ist - und besetzt so eine eigene ökologische Nische.

  • Um an den Nektar zu gelangen, wird der Schnabel in die Blüte gesteckt. Mit ihrer gespaltenen Zunge, die wie ein Strohhalm funktioniert, saugen die Vögel den Saft auf. Insekten und Spinnen verspeisen sie als Eiweiß-Snacks.

  • Zu den natürlichen Feinden gehören Schlangen, Greifvögel und Raubkatzen. Aber auch ein Wespenstich kann tödlich enden, wenn der Kolibri dadurch zu schwach zum Fliegen ist.

Flugkunst: Der Kolibri als Vorbild für die Technik

Im Vogelreich sind Kolibris die geschicktesten Flieger. Und die einzigen, die rückwärts fliegen können. Zudem gelingt es ihnen, wie ein Helikopter auf der Stelle zu kreisen. Während sie in der Luft "stehen", nehmen sie Nektar auf, legen nach dem Trinken den Rückwärtsgang ein und ziehen so ihren Schnabel aus der Blüte.

Ihren berühmten Schwirrflug führen die Winzlinge mit 40 bis 50 Flügelschlägen pro Sekunde aus, teilweise sind es auch doppelt so viele. Die Sonnenstrahlelfe kommt bei ihrem Balzflug auf bis zu 200 Flügelschläge pro Sekunde.

Das ist faszinierend und inspirierend zugleich. Forscher versuchen immer wieder, die Bewegungen der Luft-Akrobaten für technische Entwicklungen zu imitieren. So werden etwa neue Windkraftanlagen mit aerodynamischen Flügeln ausgestattet, die den Kolibri-Flügelschlag nachahmen. Auch Drohnen operieren à la Kolibri: leichtgewichtig, wendig, schnell.

Die Übertragung von Phänomenen der Natur auf die Technik nennt sich Bionik. Die Idee dahinter: Tiere und Pflanzen entwickeln durch die Evolution optimierte Strukturen und Prozesse, von denen der Mensch lernen kann.

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Was Kolibris sonst noch können

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    Bei Kälte oder Nahrungsmangel versetzen sich Kolibris regelmäßig in einen Starre-Zustand (Torpor): Die Körpertemperatur wird gesenkt, der Stoffwechsel verlangsamt. Andernfalls würden die Leichtgewichte unter extremen Bedingungen nicht überleben.

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    Menschen haben 3, Kolibris verfügen über 4 Farb-Rezeptoren im Auge. Dadurch sehen sie mehr Farben als wir - und finden Blüten besser, die im ultravioletten Bereich leuchten.

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    Zur Nahrungsbeschaffung für den Nachwuchs lassen sich die alleinerziehenden Mamis aus dem Nest fallen und gleiten wie ein Blatt zu Boden. Schließlich sollen Nest-Räuber nicht den Familiensitz orten können.

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    Das Kolibri-Herz vollbringt Höchstleistungen: Wenn die Vögel rasten, schlägt es 400 bis 600 Mal pro Minute (bei Menschen in Ruhe: 50 bis 100 Mal), während des Fliegens im Extremfall 1.200 Mal pro Minute. Nachts im Schlaf senken sie die Herzfrequenz stark ab, um Energie zu sparen.

Körpermaße, Schnabel-Länge, Geschwindigkeit: Die Rekordhalter unter den Kolibris

Darum müssen Kolibris so viel futtern

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    Das Leben der Kolibris in Hochgeschwindigkeit ist ein Kraftakt: Um nicht zu verhungern, müssen die federleichten Flieger etwa alle 15 Minuten Nektar trinken. Für den Muskelaufbau benötigen sie zusätzlich Eiweiß, deshalb picken sie Insekten und Spinnen von den Blüten. Insgesamt schleusen Kolibris täglich rund das 3-fache ihres Eigengewichts an Nahrung durch ihren Mini-Körper.

Veröffentlicht: 01.09.2020 / Autor: Heike Predikant