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Geo-Engineering: Mit Tech-Tricks gegen den Klimawandel?

Lieber das Klima-System als uns selbst ändern? Das ist die Grundidee von Geo-Engineering. Welche teils kuriosen Vorschläge es dafür gibt und ob die wirklich sinnvoll im Kampf gegen den Klimawandel sind, erfährst du hier.

Das Wichtigste zum Thema Geo-Engineering

  • Weltraum-Spiegel? Unterirdische Treibhausgas-Speicher? Das sind nur einige Ideen, um den Klimawandel durch globale Eingriffe zu bremsen.

  • Zusammengefasst werden die Konzepte und Maßnahmen unter dem Begriff Geo-Engineering, auch Climate Engineering genannt.

  • Welche Ansätze es bislang gibt und wie Deutschlands Pläne hierzu aussehen, siehst du in den nächsten Abschnitten.

Was meint "Geo-Engineering" genau?

Es ist ein Sammelbegriff für verschiedene Technologien und Methoden, mit denen man großflächig in das Klimasystem eingreift.

Das Ziel: den Klimawandel stoppen, ohne dabei (unbedingt) den Ausstoß von Treibhausgasen nachhaltig zu reduzieren.

Durch den tiefen Eingriff in globale ökologische Abläufe unterscheidet sich Geo-Engineering von eher kurzlebigen Eingriffen wie der Wetter-Manipulation.

Es gibt vor allem 2 Ausrichtungen im Geo-Engineering: Maßnahmen zur Beeinflussung des Strahlungshaushalts und Techniken zur Bindung von Kohlendioxid.

Mauer um die Antarktis

Kann Geo-Engineering das Schmelzen der Gletscher verhindern?

Mauer um die Antarktis

Forscher haben die Idee entwickelt, eine gigantische Schutzmauer aus Sand und Kies um die Gletscher in der Antarktis zu bauen. Warum? Die Antwort bekommst du im Clip.

Option 1: Beeinflussung des Strahlungshaushalts

  • Ziel des sogenannten Solar Radiation Management (SRM) ist es, einen Teil der Sonnenstrahlen zu reflektieren. Das soll die globale Durchschnittstemperatur senken.

  • 🤞

    Die SRM-Maßnahmen würden das Problem des Klimawandels also nicht an der Wurzel packen, weil sie die erhöhte Konzentration von Treibhausgasen nicht bekämpfen.

  • Für die stärkere Reflexion von Sonnenstrahlen gibt es teils abenteuerliche Ideen: massenweise weiße Hausdächer, Wüstenreflektoren oder sogar gigantische Spiegel im Weltraum.

  • 🌫

    Eine andere Idee: den Effekt von starken Vulkanausbrüchen nutzen. Dabei verteilen sich große Mengen an Schwefeldioxid in der oberen Erd-Atmosphäre. Womöglich könnten Flugzeuge dort auch künstlich Schwefel aussondern.

Option 2: Bindung von Kohlendioxid

  • 🥵

    Die Techniken des sogenannten Carbon Dioxide Removal (CDR) zielen darauf ab, die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre zu verringern.

  • 🌡

    Dadurch setzen diese Maßnahmen näher an der Ursache des Klimawandels an als die SRM-Techniken. Allerdings benötigen sie wohl wesentlich mehr Zeit, um Effekte zu erzielen.

  • 🕳

    Eine Möglichkeit sehen Forscher generell darin, Kohlendioxid unter der Erde einzulagern oder es mit riesigen Maschinen aus der Luft herauszufiltern.

  • 🌱

    Konkret könnten auch Pflanzen als "natürliche Filter" dienen: Sie entziehen der Atmosphäre durch Photosynthese viel Kohlendioxid. Eine massive (genmanipulierte) Aufforstung bedeutet also sauberere Luft.

  • 🔥

    Damit das Kohlendioxid bei der Zersetzung der Pflanzen nicht wieder frei wird, könnten sie später im Meer oder luftdicht im Boden versenkt werden. Oder Experten könnten daraus "Bio-Kohle" zur Energiegewinnung entwickeln.

  • 🌊

    Auch kleinste Algen in den Ozeanen könnten helfen, weil sie ebenfalls Kohlendioxid durch Photosynthese binden. Anschließend dienen sie als Nahrung oder wandern an den Meeresgrund. Gezieltes Düngen oder Durchmischen der wärmeren und kälteren Wasserschichten könnte diese "biologische Pumpe" unterstützen.

Geo-Engineering ist umstritten

Auch vor dem Hintergrund der bislang mäßigen Erfolge beim internationalen Klimaschutz stecken viele große Hoffnungen ins Geo-Engineering. Klingt ja auch zu schön: Wir müssen unser alltägliches Verhalten kaum ändern und tun gleichzeitig was gegen den Klimawandel.

Klimawandel Lebenswandel


Die Botschaft der Klima-Aktivisten - wie hier in Schwerin im April 2020: Um den Klimawandel zu stoppen, brauchen wir einen Lebenswandel.
© picture alliance/Jens Büttner/dpa-Zentralbild

 

🤔 Welche Maßnahmen helfen wirklich?

Auf den zweiten Blick wird jedoch schnell klar: So einfach ist es nicht. Noch nicht einmal geklärt ist die Frage, welche Vorschläge überhaupt umsetzbar sind.

Wie steht es um die Kosten - zum Beispiel für Weltraum-Spiegel oder unterirdische Speicher, den Entwicklungsstand, die Risiken und Nebenwirkungen, die (gesellschaftliche) Akzeptanz und nicht zuletzt das Potenzial für den Klimaschutz?

 

Käme Geo-Engineering überhaupt noch rechtzeitig?

Hinzu kommt: Es gibt aktuell nur Vorschläge. Selbst wenn Experten auf Basis von internationalen Vereinbarungen weiter forschen, dauert es wohl noch sehr lange, bis konkrete Schritte eingeleitet werden könnten - vielleicht zu lange im Kampf gegen den Klimawandel.

 

🤷 Was sind die Folgen?

Auch sind die langfristigen Auswirkungen von massiven Eingriffen etwa in die Pflanzen- oder Meereswelt kaum absehbar.

Veränderte Temperaturen und Niederschläge könnten auf Dauer einen schädlichen Effekt auf Mensch und Umwelt haben.

Fazit: Geo-Engineering kann nachhaltige Prozesse beim Klimaschutz vielleicht ergänzen, aber wohl kaum ersetzen.

Und was sagt die Politik?

Zu Geo-Engineering nicht viel. Es wird in Deutschland weder umgesetzt noch geplant und stellt keine Alternative zu international vereinbarten Klimaschutzmaßnahmen dar.

Vielmehr gilt das Vorsorge-Prinzip: Die Ursachen des Klimawandels müssen bekämpft, also die Emission von Treibhausgasen reduziert werden.

Geo-Engineering wäre da höchstens eine Notfall-Option - für den Fall, dass bisherige Anstrengungen nicht den angestrebten Erfolg bringen.

Svenja Schulze


Auf seiner Webseite versichert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) unter der Leitung von Svenja Schulze (SPD): Eingriffe mittels Geo-Engineerings "werden durch die Bundesregierung in Deutschland weder geplant noch durchgeführt."
© picture alliance/Bernd von Jutrczenka/dpa

 

📖 Geo-Engineering - die Idee gibt's schon länger

Bereits in den 1950er- bis 1970er-Jahren diskutierten Experten über Eingriffe ins Klimasystem. Im Kalten Krieg etwa war klimatische Kriegsführung eine Option, und in Russland sollten ganze Flüsse zur Bewässerung von Steppen umgeleitet werden. Es blieb zum Glück bei Gedankenspielen.

Zweifel gab's auch hier schon mit Blick auf die finanzielle und technische Umsetzbarkeit. Über ökologische Risiken und Nebenwirkungen machte man sich damals noch keine Gedanken.

Wie ist deine Meinung zu Geo-Engineering?

Veröffentlicht: 09.08.2020 / Autor: Alexander Duebbert